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Lichtblicke schenken

Auch mitten im Leben kann man Vorsorge treffen und anderen eine bessere Zukunft ermöglichen.
Testamentsspender Armin und Anneliese

Zwischen Rochusmarkt und Landstraße, im Herzen von Wien, befindet sich das Stammlokal von Anneliese G. und Armin R. Einmal pro Woche kommt das Ehepaar, sie 67, er 70, von Niederösterreich in die Stadt, um Freunde zu treffen, auf Konzerte zu gehen, Ausstellungen zu besuchen. Und jede Woche gibt es einen Abschluss bei ihrem Lieblingsitaliener, dessen Besitzer beide beim Vornamen kennt. Anneliese und Armin – zwei lebensfrohe, aktive Menschen. Und zwei Menschen, die über den Tod nachdenken. Und daran, was mit jenen passiert, die es nicht so gut haben wie sie selbst. „Für mich wäre es einfach furchtbar, blind zu sein“, sagt Anneliese. „Am meisten würde ich das Sonnenlicht vermissen, die Farben, die Blumen und natürlich meinen Mann sehen zu können.“ 

Augenlicht retten

Seit 2003 spendet Anneliese an Licht für die Welt und schenkte dadurch Menschen Augenlicht. 2013 entschlossen sich Anneliese und Armin gemeinsam, Testamentsspender von Licht für die Welt zu werden. Das heißt, das Paar hat in seinem Testament vermerkt, dass nach seinem Ableben ein bestimmter Betrag einem guten Zweck zu Gute kommen soll, in diesem Fall der Unterstützung von Menschen mit Augenerkrankungen und Behinderungen. Bei Licht für die Welt waren es in den letzten zehn Jahren 132 Menschen, die auf diesem Weg auch nach dem Tod Menschen geholfen haben. „Oft spielt persönliche Betroffenheit eine große Rolle. Sei es, dass man auf seinen Reisen die Not der Menschen in den armen Gebieten gesehen hat, sei es, dass man selbst oder ein naher Angehöriger oder Freund eine Behinderung hat“, sagt Maria Wollersberger, die bei Licht für die Welt für Erbschaften und Vermächtnisse zuständig ist. „Wenn man keine Kinder hat, wird noch viel eher eine gemeinnützige Organisation bedacht.“

Anneliese und Armin haben keine Kinder, jedoch beide von ihren Eltern geerbt. Ihre Mütter und Väter stammen aus einer Generation, die zwischen erstem und zweitem Weltkrieg geboren wurde, die sehr sparsam gelebt und sich wenig gegönnt hat. „Wir wollen auch verantwortungsvoll und dankbar mit dem Erbe unserer Eltern umgehen, einen Teil von dem, was uns bleibt, sinnvoll verwenden.“ Und sinnvoll, das ist es ist für das Ehepaar, Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern zu ermöglichen, eine Schule zu besuchen, wieder gehen zu können oder blinden Menschen Augenlicht zu schenken. „Es geht uns gut. Und Menschen vor dem Erblinden zu bewahren, wenn man die Möglichkeit hat, sehen wir als selbstverständlich“, sagt Armin.

Vertrauen ist relevant

„Das Wichtigste ist Vertrauen“, sagt Maria Wollersberger, „Dieses entsteht durch persönlichen Kontakt und umfassende Informationen. Die Menschen müssen wissen, dass ihr Geld in guten Händen ist und ankommt.“ Dieses Vertrauen haben Anneliese und Armin. „Das Sterben gehört zum Leben dazu“, sagt Armin und sticht seinen Löffel in eine der Eiskugeln, die er sich mit Anneliese teilt. Aber zuerst haben die zwei noch einiges vor. Armins siebzigstes Geburtstagsfest zum Beispiel, Konstantin Wecker wieder einmal live sehen, viele weitere Eiskugeln bei ihrem Italiener, mitten in Wien, mitten im Leben. Bevor sie weiteren Menschen Augenlicht und Freude schenkt.