Grauer Star bei Kindern
Grauer Star ist keine Krankheit, die nur ältere Menschen betrifft. Auch Kinder können damit geboren werden oder im Laufe ihrer Kindheit daran erkranken. Wird Grauer Star bei Kindern nicht rechtzeitig behandelt, kann sie die Entwicklung des Sehvermögens dauerhaft beeinträchtigen. Doch mit früher Diagnose und der richtigen Behandlung können Kinder die Chance bekommen, zu sehen, zu lernen und ihre Zukunft selbst zu gestalten. Genau diese Möglichkeiten wurden durch den Grauen Star für den 3-jährigen Ange (Titelbild) aus Burkina Faso bedroht.
Kinder brauchen gute Sicht für eine gute Zukunft
Weltweit wachsen Millionen Kinder mit einer Sehbeeinträchtigung auf. Viele von ihnen könnten mit der richtigen medizinischen Versorgung besser oder sogar wieder sehen. Gerade bei Kindern kommt es darauf an, Sehprobleme früh zu erkennen und zu behandeln – denn gutes Sehen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie sich entwickeln, lernen und selbstständig werden können.
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, wie groß der Bedarf ist.*
*Quelle: International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB), Vision Atlas. Die Zahlen beziehen sich auf Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19 Jahren.
Was ist an Grauem Star bei Kindern anders?
Bei Erwachsenen tritt Grauer Star meist im Laufe der natürlichen Alterung auf und das nicht gerade selten. In Österreich werden jährlich etwa 120.000 Operationen am Grauen Star durchgeführt. Bei Kindern kann die Augenkrankheit andere Ursachen haben: Manche Kinder kommen bereits mit einer Linsentrübung zur Welt. In anderen Fällen entwickelt sich der Graue Star später, etwa durch
- genetische Faktoren
- Infektionen oder
- Verletzungen
Grauer Star bei Kindern benötigt vor allem aus 3 Gründen eine spezielle Behandlung:
1. Zeit
Erkrankt ein Kind an Grauem Star, ist rasches Handeln angesagt. Der große Unterschied zu Grauem Star bei Erwachsenen ist nämlich, dass Kinder das Sehen erst noch lernen müssen. Das Gehirn verarbeitet täglich verschiedene Sehreize und bildet so den Sehsinn aus. Wird ein Auge über längere Zeit durch eine getrübte Linse daran gehindert, kann sich das Sehvermögen nicht richtig entwickeln.
Wie wichtig eine schnelle Reaktion ist, betont auch die Wiener Augenärztin und ehrenamtliche Vorständin bei Licht für die Welt Univ.-Doz. Dr. Irene Ruhswurm:
Bei Kindern muss sofort operiert werden, es gibt keine Alternative. Hier zählt wirklich jeder Tag. Die Gesamtentwicklung eines Menschen hängt von einem guten Sehvermögen ab.
2. Eingriff
Der ansonsten recht unkomplizierte Eingriff dauert bei Kindern länger als bei Erwachsenen und erfordert andere Geräte. Das führt auch zu höheren Kosten, besonders durch die Vollnarkose. Denn: Kinderaugen sind nicht einfach kleine Erwachsenenaugen. Für die Diagnose und Operation braucht es speziell ausgebildete Fachkräfte und die richtige Ausstattung.
3. Nachsorge
Jede Operation am Grauen Star erfordert eine gewisse Nachsorge. Bei Kindern wird meistens eine längere Nachsorge-Periode angesetzt, um die Entwicklung genau beobachten zu können.
Genau deshalb geht es bei guter Kinderaugenmedizin nicht nur um eine einzelne Operation. Es braucht:
Früherkennung
Damit Kinder mit Sehproblemen überhaupt rechtzeitig gefunden werden.
Ausgebildete Fachkräfte
Damit Kinder richtig untersucht und behandelt werden.
Ausstattung und medizinisches Material
Damit notwendige Untersuchungen und Operationen möglich sind.
Nachsorge
Damit Kinder auch nach der Operation die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.
Aufklärung
Damit Eltern, Lehrer*innen und andere Bezugspersonen wissen, wann ein Kind medizinische Hilfe benötigt.
Nachhaltig helfen statt nur Symptome behandeln
Licht für die Welt unterstützt deshalb nicht nur einzelne Augenoperationen. Wir stärken gemeinsam mit lokalen Partnern die augenmedizinische Versorgung vor Ort – langfristig und nachhaltig.
Ein Beispiel für die konkrete Umsetzung von diesem Vorhaben ist das Pionier-Projekt für Kinderaugengesundheit „1, 2, 3… I can see!“, das über einen Zeitraum von 10 Jahren in den Ländern Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und Uganda läuft.
Im Rahmen dessen werden Kinder bei Sehtest-Aktionen an Schulen untersucht, Fachkräfte ausgebildet und Spitäler unterstützt. Das Ziel des Programms ist ein nachhaltiges System für Kinderaugengesundheit
aufzubauen, so dass alle Kinder ihr volles Potential entwickeln können, ungehindert durch Sehprobleme, die sonst ihre Entwicklung beeinträchtigen würden.
Sieh selbst: Deine Hilfe wirkt
Im Rahmen von „1, 2, 3… I can see!“ konnte auch dem kleinen Ange geholfen werden. Er hatte Grauen Star auf seinem rechten Auge und wurde dank der Unterstützung von Licht für die Welt operiert. Heute kann er wieder sehen, spielen und mit seinen Freunden die Welt entdecken.