- Augengesundheit
Medizinische Versorgung ist dann am wirkungsvollsten, wenn sie die Menschen dort erreicht, wo sie zuhause sind – unkompliziert und effektiv. Deshalb organisiert Licht für die Welt regelmäßig sogenannte Outreach-Einsätze mit lokalen, mobilen augenmedizinischen Teams.
Auch der 14-jährige Belito Euzébio aus Mosambik konnte so am Grauen Star operiert werden. Aber wie wird so ein Einsatz organisiert? Wer sorgt dafür, dass die Menschen davon erfahren? Und wie geht es danach für die Patient*innen weiter?
Für viele Menschen in unseren Projektländern ist medizinische Versorgung nicht nur finanziell, sondern auch örtlich gesehen unerreichbar. Deshalb bringt Licht für die Welt diese Hilfe direkt zu ihnen, in die Dörfer und Communities. Solche Outreach-Einsätze – zeitlich begrenzte mobile augenmedizinische Angebote – werden lange im Voraus geplant und laufen nach einem bestimmten Schema ab.
Wie wichtig diese mobilen Teams sind, erzählen wir dir an der Geschichte von Belito Euzébio aus Mosambik. Drei Jahre lang konnte der 14-Jährige nicht zur Schule gehen. Der Grund: beidseitiger Katarakt. Nach einem Unfall verlor er Tag für Tag sein Augenlicht. Hilfe schien unerreichbar – bis zu dem Tag, als sie in seine Nähe kam.
Vielfältige Hürden zur Medizin
Was tun, wenn das nächste Krankenhaus mehrere Stunden oder Tage entfernt ist? Und nicht nur die Reise dorthin, sondern auch die Versorgung selbst zu teuer ist?
Die mobilen Outreach-Einsätze in unseren Projektländern verringern diese großen Hürden für die dort lebenden Menschen und bieten qualitativ hochwertigen Zugang zu medizinischer Hilfe. Die Organisation ist keine Kleinigkeit und bedarf einer guten Abstimmung, erzählt uns Biruktayit Kefyalew. Sie ist Optometristin und Expertin für Augengesundheit bei Licht für die Welt:
Wir arbeiten eng mit lokalen Gesundheitsbehörden, augenmedizinischen Einrichtungen und Partnern in den Gemeinden zusammen, um jene Regionen zu identifizieren, in denen ein Outreach die größte Wirkung erzielen kann.
Dabei konzentriert sich die Organisation auf marginalisierte, unterversorgte und schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen, erklärt Biruktayit weiter. Wenn die Region feststeht, wird überprüft, welche Räumlichkeiten für die vorgesehenen Untersuchungen und Behandlungen geeignet sind, um eine sichere Versorgung ermöglichen.
Damit Hilfe die Menschen wirklich erreicht
Ein Outreach beginnt aber nicht erst, wenn ein Ort ausgewählt wurde und das medizinische Team dort eintrifft. Die Menschen müssen zuerst von der Hilfe erfahren. Deshalb arbeiten die Organisationsteams im Vorfeld mit lokalen Gesundheitsdiensten und Dorfgemeinschaften zusammen, um die Menschen durch Kommunikationskampagnen über die geplanten Untersuchungen und Behandlungen zu informieren.
Dazu gehören beispielsweise
Ankündigungen im Radio
Informationen über lokale Organisationen
Unterstützung durch Gesundheitskräfte und Gemeindeverantwortliche
Geschulte lokale Kräfte helfen zusätzlich dabei, Menschen mit möglichen Augenproblemen zu identifizieren und mit den medizinischen Angeboten in Kontakt zu bringen.
Auch im Fall des 14-jährigen Belita Euzébio spielt genau diese lokale Information eine entscheidende Rolle: Er lebt in einer kleinen Gemeinde in der Region Morrumbala, weit weg von medizinischer Versorgung. Als seine Familie über eine Kampagne von der Hilfe von Licht für die Welt erfährt, lässt sich der Jugendliche bei einem Outreach im lokalen Gesundheitszentrum untersuchen.
Nach einem ersten Verdacht bringen ihn mobile medizinische Teams zum Bezirkskrankenhaus im Morrumbala. Dort lautet die endgültige Diagnose: traumatischer Katarakt – eine Linsentrübung infolge einer Verletzung. Die Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine schnelle Operation und entscheiden sich dafür, zuerst ein Auge zu operieren.

Bei einem beidseitigen Katarakt wird in der Regel zunächst ein Auge operiert. Welches das ist, entscheidet das medizinische Team nach einer umfassenden Untersuchung. Ist auch am zweiten Auge eine Operation nötig, kann diese zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden – abhängig vom medizinischen Zustand, den verfügbaren Angeboten und dem Einsatzplan. Gegebenenfalls wird die Person dafür an ein geeignetes Krankenhaus überwiesen.
Mitgebrachte Ausstattung & umfassende Behandlung
Die medizinische Einrichtung vor Ort muss nicht über die gesamte Ausstattung für einen augenmedizinischen Einsatz verfügen. Das mobile Team bringt die für die geplanten Untersuchungen und Behandlungen benötigten Spezial-Geräte, Instrumente, Medikamente und Materialien mit.
Die Einsätze beschränken sich dabei nicht auf Kataraktoperationen. Menschen mit Sehproblemen können sich untersuchen lassen und erhalten je nach Bedarf weitere augenmedizinische Leistungen. Dazu gehören etwa
Nicht jedes Sehproblem lässt sich durch eine Kataraktoperation beheben. Vor einem Eingriff muss deshalb abgeklärt werden, welche Behandlung medizinisch sinnvoll ist. Wenn eine spezialisierte Versorgung notwendig ist, werden die Betroffenen weiterverwiesen.
Unsere Outreach-Kampagnen bieten eine umfassende augenmedizinische Versorgung. Die Menschen werden entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen untersucht, behandelt oder bei Bedarf an eine geeignete Einrichtung überwiesen.
- Biruktayit Kefyalew, Optometristin und Expertin für Augengesundheit
Ob die Patient*innen über Nacht bleiben, hängt von der Behandlung, den Gegebenheiten vor Ort und der Entfernung von zuhause ab.
Behandlung vorbei – wie geht es weiter?
Ein mobiler Einsatz dauert nur wenige Tage. Die Verantwortung für die Patientinnen und Patienten endet damit aber nicht. „Qualität und die Sicherheit der Patient*innen stehen bei unserer augenmedizinischen Versorgung im Mittelpunkt“, erklärt Biruktayit. Die Nachsorge ist deshalb ein fester Bestandteil des Versorgungskonzepts von Licht für die Welt.
Nach einer Kataraktoperation erhalten die Patientinnen und Patienten die erforderlichen Medikamente sowie Informationen dazu, wie sie ihre Augen nach dem Eingriff pflegen sollen und bei welchen Beschwerden sie rasch medizinische Hilfe benötigen. Geplant sind Nachkontrollen am ersten Tag, in der ersten Woche und vier bis sechs Wochen nach der Operation. Lokale augenmedizinische Teams begleiten die weitere Betreuung. Bei Komplikationen oder wenn eine spezialisierte Behandlung nötig ist, erfolgt eine Überweisung an ein entsprechend ausgestattetes Krankenhaus.
Zurück zu Belito Euzébio und seiner Familie: Vor der Behandlung hatte sein Vater Angst, Belito könnte durch den Eingriff dauerhaft erblinden. Nach der erfolgreichen Operation möchte er nun anderen Menschen in seiner Gemeinde Mut machen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen:
Andere haben mir Angst gemacht. Sie sagten, mein Sohn könnte aus dem Krankenhaus dauerhaft blind zurückkommen. Wenn ich in meine Gemeinde zurückkehre, werde ich allen erzählen, dass man im Krankenhaus Hilfe bekommt. Mein Sohn kann wieder sehen!
- Vater von Belito Euzébio

Für Belito Euzébio hat sich eine neue Perspektive eröffnet: Er kann sich wieder selbstständiger bewegen und möchte wieder in die Schule gehen.
Seine Geschichte macht deutlich, dass es für bessere Sehkraft mehr braucht als einen medizinischen Eingriff. Es braucht erreichbare Angebote, engagierte lokale Partner, Vertrauen in die Versorgung und eine Betreuung, die auch nach der Operation weitergeht.
Zur Person
Biruktayit Kefyalew ist Optometristin und Expertin für Augengesundheit bei Licht für die Welt. Sie arbeitet im äthiopischen Länderbüro und ist außerdem im Board der International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB) tätig.
