- Augengesundheit
Beim Wort “Grauer Star” denken die meisten an ältere Menschen. Dass auch Kinder davon betroffen sind, wissen viele nicht. Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen: Was ist anders, wenn Kinder erkranken? Was können Ursachen dafür sein? Und warum hängt von der rechtzeitigen Behandlung so viel ab?
1. Erkranken nicht nur Erwachsene an Grauem Star?
Der Titel des Artikels schickt es schon voraus: Nein, die Krankheit kann auch Kinder treffen. Manche Kinder kommen mit einer Trübung der Augenlinse zur Welt, andere entwickeln sie im Lauf der Kindheit. Weltweit leben rund 90 Millionen Kinder und Jugendliche mit einer Form von Sehverlust, etwa zwei Millionen von ihnen sind blind (IAPB Vision Atlas). Viele könnten mit der richtigen Behandlung besser oder wieder sehen.
2. Welche Ursachen hat Grauer Star bei Kindern?
Bei Erwachsenen steckt meist die natürliche Alterung dahinter. In Österreich werden jedes Jahr etwa 120.000 Operationen am Grauen Star durchgeführt. Bei Kindern sind die Ursachen etwa:
genetische Faktoren
Komplikationen bei der Geburt
Infektionen
Verletzungen am Auge
3. Woran erkenne ich, dass ein Kind schlecht sieht?
Kinder sagen oft nicht, dass sie schlecht sehen. Sie kennen es ja nicht anders. Eltern sollten mit ihren Kindern am besten regelmäßig zum Augenarzt oder zur Augenärztin gehen. So können Fehlsichtigkeiten früh erkannt werden. Auch Lehrer*innen in den Schulen können auf gewisse Anzeichen achten. Ein erster Indikator sind meistens regelmäßig schlechtere Noten.
4. Warum zählt bei Kindern jeder Tag?
Kinder müssen das Sehen erst lernen. Das Gehirn verarbeitet täglich Seheindrücke und bildet so den Sehsinn aus. Ist die Linse getrübt, fehlen diese Reize, und das Sehvermögen kann sich nicht richtig entwickeln. Univ.-Doz. Dr. Irene Ruhswurm, Wiener Augenärztin und ehrenamtliche Vorständin bei Licht für die Welt, sagt dazu:
“Bei Kindern muss sofort operiert werden, es gibt keine Alternative. Hier zählt wirklich jeder Tag.”
5. Was ist bei der Operation anders als bei Erwachsenen?
Das Prinzip ist gleich: Die getrübte Linse wird durch eine künstliche ersetzt. Bei Kindern dauert der Eingriff aber länger, es braucht andere Geräte und eine Vollnarkose. Dazu kommen speziell ausgebildete Fachkräfte und eine längere Nachsorge, damit sich das Sehvermögen gut entwickelt. Kinderaugen sind eben nicht einfach kleine Erwachsenenaugen.
6. Warum bekommen trotzdem so viele Kinder keine Behandlung?
Weltweit erhält laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur etwa die Hälfte der Menschen mit Grauem Star die rettende Operation. Das liegt selten an der Krankheit selbst. Es fehlt an Fachkräften, an Ausstattung und an Spitälern in erreichbarer Nähe.
Und wie kannst du zur Veränderung beitragen?
Licht für die Welt finanziert nicht nur einzelne Operationen, sondern baut gemeinsam mit lokalen Partnern vor Ort Gesundheitsstrukturen für Kinderaugengesundheit auf. In unserem Programm für Kinderaugengesundheit “1, 2, 3… I can see!”, das in Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und Uganda durchgeführt wird, werden über eine Laufzeit von zehn Jahren Kinder bei Schulsehtests untersucht, Fachkräfte ausgebildet und Spitäler unterstützt.
So konnte auch dem 3-jährigen Ange aus Burkina Faso, den du auf dem Titelbild siehst, geholfen werden. Er wurde am Grauen Star operiert und kann heute wieder sehen, Fußball spielen und die Welt entdecken.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.