Zum ersten Mal: Ein Bericht von WHO zur Weltaugengesundheit

Eine Milliarde Menschen haben eine vermeidbare Sehbehinderung: WHO veröffentlicht ersten Bericht zur Weltaugengesundheit.
Der kleine Abdul aus Tansania hatte Grünen Star und wurde operiert (c) Manuel Ferrigato

2,2 Milliarden Menschen müssen weltweit mit Sehbehinderungen oder Blindheit leben, wobei eine Milliarde dieser Fälle vermeidbar oder behandelbar wären. Das sagt der zum ersten Mal veröffentlichte Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Augengesundheit (World Report on Vision), der vor dem Welttag der Augengesundheit am 10. Oktober bereits am 8.10.2019 in Genf präsentiert wird.

Die häufigsten Ursachen dafür sind Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Grauer und Grüner Star.


„36 Millionen Menschen sind heute blind. Besonders betroffen sind Menschen in den ärmeren Regionen der Welt, wo die meisten Menschen keinen Zugang zu einer einfachen Operation, einer Brille oder Rehabilitation haben.

Dies hat zur Folge, dass Millionen Kinder und Jugendliche nicht die Schule besuchen können und Frauen und Männer nicht für sich und ihre Familien sorgen können“

Rupert Roniger, CEO of Light for the World
-Rupert Roniger
internationaler Geschäftsführer von Licht für die Welt. 


Licht für die Welt begrüßt den World Report on Vision als  Meilenstein im weltweiten Kampf um die Verbesserung der Augengesundheit und Verhütung von Blindheit. 

Derzeit sind allein 65 Millionen Menschen blind oder sehbehindert aufgrund von Grauem Star – sie könnten durch eine Operation behandelt werden. 800 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu einer Brille.

Um Kurz- und Weitsichtigkeit und Grauen Star zu behandeln bräuchte es weltweit die Summe von 13 Milliarden Euro, errechnete die Weltgesundheitsorganisation. Licht für die Welt ruft die Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Organisationen auf, die Zusammenarbeit zu verstärken und die notwendigen Mittel bereitzustellen, damit alle betroffenen Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten.

Von Blindheit und Sehstörungen sind in besonderem Ausmaß Menschen in ländlichen Regionen, solche mit niedrigem Einkommen, Frauen, Menschen mit Behinderungen sowie ethnische Minderheiten und indigene Bevölkerungsgruppen betroffen, so der Bericht weiter. Besonders schlimm ist die Situation in den Ländern südlich der Sahara und in Südasien, wo die Blindheitsraten bis zu acht Mal höher sind als in Ländern mit hohem Einkommen.

Mekonen Bezabeh Photo Credit: Ulrich Eigner

Augengesundheit wird Herausforderung für die Gesundheitssysteme

In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Situation bei der Weltaugengesundheit drastisch verschlimmern und eine große Herausforderung für die Gesundheitssysteme darstellen, so die WHO.

Der WHO-Bericht zeigt, dass die Zahl der von Blindheit und Sehstörungen betroffenen Menschen in Zukunft zunehmen wird. Die Gründe dafür sind vor allem die wachsende und älter werdende Weltbevölkerung und die veränderten Lebensgewohnheiten. Die Kurzsichtigkeitsrate steigt vor allem deshalb an, weil sich Menschen viel mehr in geschlossenen Räumen aufhalten, sowie aufgrund der Arbeit an Computern und Smartphones. Mehr Zeit im Freien kann dem entgegenwirken, so der Bericht.

Eine weitere Ursache ist die Zunahme von Diabetes. Fast alle Diabetiker entwickeln eine Form der diabetischen Retinopathie, einer Erkrankung der Netzhaut. Vor allem betroffen sind auch Menschen in Ländern, die keinen oder kaum Zugang zu regelmäßigen Augenkontrollen haben. Bei ihnen werden Augenkrankheiten entweder gar nicht oder viel zu spät erkannt und Blindheit ist oft die Folge.

Young boy with catharacts

Die WHO urgiert in dem jüngsten Bericht den Ausbau von Prävention, Früherkennung sowie rechtzeitige Behandlung und Rehabilitation.

„Augengesundheit muss näher bei den betroffenen Menschen, also auch in ländlichen und benachteiligtem Regionen vorhanden sein“, empfiehlt Roniger aufgrund der Erkenntnisse des Berichts. „Besonders für Menschen, deren Sehfähigkeit nicht mehr wiederhergestellt werden kann, müssen die Rehabilitationsmaßnahmen verbessert werden, damit auch sie Zugang zu Bildung und Arbeit haben um ein unabhängiges Leben führen zu können“, so Roniger.

Rupert Roniger with Greta

Ein zentraler Punkt für Licht für die Welt ist auch, dass der vorliegende Bericht die integrierte, patientenzentrierte Augengesundheit in den Mittelpunkt stellt. Die Organisation setzt sich in ihren Projektländern stark dafür ein, dass Augengesundheit ein integraler Bestandteil der Krankenversicherungen und Gesundheitssysteme wird, und auch ausreichend einheimische Fachkräfte ausgebildet werden.

Den offiziellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation finden Sie hier auf Englisch