- Augengesundheit
Die Geschichte der 40-jährigen Guesh Abreha aus Äthiopien zeigt, wie eine Trachom-Operation ein Leben verändern kann. Was eigentlich ein unkomplizierter chirurgischer Eingriff ist, bedeutet für sie das Ende jahrelanger Schmerzen – und den Beginn neuer Hoffnung.
Wenn vermeidbare Blindheit Alltag ist
Eine Hütte aus Lehm und Stein, eingebettet in felsige Landschaften. Trockenes Klima, das von gelegentlichen Regenfällen durchbrochen wird. Vielfältige Herausforderungen, die das Leben der Menschen prägen: Wir befinden uns in der ländlichen Region Tigray im Norden Äthiopiens.
Hier lebt Guesh Abreha gemeinsam mit ihrem zehnjährigen Sohn Almshet Haile in einfachen Verhältnissen. Ihr Alltag ist von Armut und Unsicherheit geprägt.
Seit ihr Mann gestorben ist, lastet das Überleben ihrer Familie allein auf ihren Schultern. Mit einem kleinen Gemüsegarten hinter ihrer Hütte versucht sie, sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Die emotionale Last und die finanzielle Unsicherheit sind eine tägliche Belastung.
Hinzu kommt, dass die Witwe seit vier Jahren an der schmerzhaften Augeninfektion Trachom leidet. Was als scheinbar harmlose Augenentzündung beginnt, wird zu einer dauerhaften Qual. Mit wenig finanziellen Mitteln und keinem Zugang zu medizinischer Hilfe lebt Guesh Abreha völlig alleingelassen mit den Schmerzen:
Ich habe still mit diesen Schmerzen gelebt, vier Jahre lang. Ich habe gedacht, niemanden kümmert das.
Lange weiß Guesh nicht, dass es Hilfe gibt und wohin sie sich wenden soll. Die Wege zur nächsten Gesundheitseinrichtung sind weit, Transport kostet Geld – Geld, das sie nicht hat. Also erträgt sie die Schmerzen still, ohne zu wissen, dass Trachom ihr mit der Zeit das Augenlicht stehlen wird.
Was ist Trachom?
Trachom ist eine hoch ansteckende, bakterielle Augeninfektion und eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare Blindheit weltweit. Sie wird durch das Bakterium Chlamydia trachomatis verursacht und breitet sich im näheren Umfeld der infizierten Person meist sehr schnell aus. Zum Beispiel über ein gemeinsam benutztes Handtuch, Bettwäsche oder einfach persönlichen Kontakt. Danach kann schon ein Griff in die Augen reichen, um die Infektion zu übertragen. Ein Zusammenleben auf engem Raum und schlechte hygienische Bedingungen verstärken die Gefahr zusätzlich.
Wiederholte Infektionen führen dazu, dass sich das Augenlid nach innen dreht (Trichiasis). Die Wimpern reiben auf der Hornhaut – jeder Lidschlag verursacht Schmerzen. Unbehandelt kann dies zur Erblindung führen.
Gerade Trachom ist eng mit Armut verbunden:
- fehlender Zugang zu sauberem Wasser
- eingeschränkte Hygienemöglichkeiten
- beengte Wohnverhältnisse
- kaum erreichbare Gesundheitsdienste
Um Trachom einzudämmen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die SAFE-Strategie:
- Surgery (Chirurgie bei fortgeschrittener Erkrankung)
- Antibiotics (Antibiotikabehandlung)
- Facial cleanliness (Förderung von Gesichts- und Handhygiene)
- Environmental improvement (Verbesserung von Wasser- und Sanitärversorgung)
Neue Perspektiven durch lokale Unterstützung
Eines Tages bemerkte ein Mitarbeiter eines Gesundheitspostens die Augenprobleme von Guesh Abreha und erklärte ihr, welche Möglichkeiten es gibt, ihre Erkrankung zu behandeln. Zum ersten Mal seit Jahren hörte Guesh Abreha: Es gibt eine Lösung. Der Mitarbeiter informierte sie auch über das lokale Trachom-Programm von Licht für die Welt.
Das Programm leistet nicht nur akute Hilfe, sondern setzt auch an der Wurzel an:
- Verteilung von Medikamenten gegen Trachom
- Durchführung von rettenden Operationen in fortgeschrittenen Krankheitsstadien
- Ausbildung von lokalen Fachkräften
- Bereitstellung von benötigten Materialien für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen
- Fokus auf schwer erreichbare und besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen
Vor der Trachom-Operation: „Ich kann endlich Frieden finden“
Als klar ist, dass Guesh Abreha operiert werden kann, ist sie überhaupt nicht nervös, sondern dankbar:
Dass ich diese Operation bekommen kann, macht mich so glücklich. Ich habe diese Schmerzen so lange ertragen, ich kann endlich Frieden finden.
Für sie bedeutet die Operation Würde, Selbstständigkeit und Hoffnung. Mit ihrer verbesserten Sehkraft möchte sie ihren Gemüsegarten intensiver bewirtschaften. Sie möchte sich ohne die Hilfe anderer versorgen und leben können.

Warum strukturelle Veränderung gleichzeitig Leben verändert
Trachom ist behandelbar und vermeidbar. Ohne Zugang zu medizinischer Versorgung bleibt die Krankheit eine Bedrohung – besonders für Frauen.
Programme wie das von Licht für die Welt zeigen, dass nachhaltige Veränderung möglich ist:
- durch lokale Ausbildung
- durch strukturelle Gesundheitsversorgung
- durch gezielte Unterstützung marginalisierter Gruppen
- durch Berücksichtigung von Gender & Equality
Hoffnung, die weiterreicht
Die Geschichte von Guesh Abreha steht stellvertretend für viele Frauen – jene, deren Ansteckungsrisiko höher ist, jene, die später Hilfe erhalten, jene, die Schmerzen still ertragen. Eine Trachom-Operation kostet wenig – verändert aber alles. Mit Ihrer Unterstützung können noch mehr Frauen wie Guesh Abreha schmerzfrei leben.