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Was sind vernachlässigte tropische Krankheiten (NTDs)?

23.01.2026
Ein äthiopischer Bursch sitzt neben seinem Vater und seiner Mutter. Alle lachen. Der Bub hat auf seinem linken Auge einen Verband.
  • Augengesundheit
  • Tropische Augenkrankheiten

Haben Sie schon einmal von Filariose, Onchozerkose oder Trachom gehört? Wenn nicht, sind Sie damit keineswegs allein. Diese Erkrankungen sind sogenannte vernachlässigte tropische Krankheiten – auf Englisch neglected tropical diseases, kurz NTDs. Obwohl sie weltweit mehr als eine Milliarde Menschen betreffen, sind sie kaum bekannt. Doch warum ist das so, und weshalb verdienen diese Krankheiten deutlich mehr Aufmerksamkeit?

Unsichtbare Krankheiten, riesige Auswirkungen

Unter dem Begriff der vernachlässigten tropischen Krankheiten (englisch: neglected tropical deseases, kurz: NTDs) fasst die Weltgesundheitsorganisation WHO 20 unterschiedliche Erkrankungen zusammen. Sie werden üblicherweise von Parasiten, Bakterien oder Viren verursacht. Gemeinsam haben sie vor allem eines: Sie treten überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen auf – dort, wo Armut, fehlende medizinische Versorgung und schlechte Lebensbedingungen den Alltag vieler Menschen bestimmen.

NTDs sind in mehr als 150 Ländern verbreitet. Rund 1,5 Milliarden Menschen sind auf vorbeugende oder behandelnde Maßnahmen angewiesen, um nicht zu erkranken oder mit den Folgen leben zu müssen. Besonders erschütternd: Über die Hälfte der Betroffenen sind Kinder. Viele von ihnen wachsen mit chronischen Schmerzen, Behinderungen oder dem Risiko einer Erblindung auf. Jedes Jahr sterben Schätzungen zufolge rund 120.000 Menschen direkt oder indirekt an den Folgen dieser Krankheiten.

Warum sind sie “vernachlässigt”? 

Bei diesen Zahlen stellt sich zwangsläufig eine Frage: Wie kann es sein, dass Krankheiten, von denen fast jeder fünfte Mensch weltweit betroffen ist, so wenig Aufmerksamkeit bekommen?

Die Antwort ist ebenso einfach wie ernüchternd: Vernachlässigte tropische Krankheiten betreffen fast ausschließlich Menschen in einkommensschwachen Regionen. Dort fehlt oft nicht nur Geld, sondern auch politischer Einfluss. Für die globale Pharmaindustrie gelten diese Krankheiten als wenig lukrativ, da teure Forschung auf einen Markt trifft, der kaum zahlungsfähig ist. Gleichzeitig standen NTDs lange im Schatten bekannterer Krankheiten wie Malaria oder HIV/AIDS. Die Folge: wenig Berichterstattung, wenig Bewusstsein – und zu lange auch zu wenig Hilfe.

Ein animiertes Erklärvideo von “Kurzgesagt” zu NTDs:

Wenn Armut krank macht – und Krankheit arm hält

NTDs sind eng mit Armut verknüpft. In vielen betroffenen Ländern sind die Gesundheitssysteme chronisch unterfinanziert. Ärzt*innen, Medikamente oder Diagnostik sind oft nur schwer erreichbar – vor allem in abgelegenen Regionen, die zusätzlich von Konflikten oder Naturkatastrophen betroffen sind.

Doch damit nicht genug: Fehlende sanitäre Einrichtungen, verschmutztes Wasser und mangelnde Gesundheitsaufklärung begünstigen die Ausbreitung der Krankheiten. Wer einmal erkrankt ist, hat es besonders schwer, denn viele NTDs hinterlassen unbehandelt ihre Spuren. Betroffene leben anschließend mit einer Behinderung oder chronischen Schmerzen.

In Folge dessen werden sie stigmatisiert, verlieren ihre Arbeit oder werden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Ohne Einkommen wächst die Armut – und damit auch das Risiko, weiter krank zu bleiben. Ein Kreislauf, aus dem es ohne Unterstützung kaum ein Entkommen gibt. Auch national gesehen bedeutet das jährlich Kosten in Milliardenhöhe durch Produktivitätsverluste und direkte Gesundheitskosten.

Wir schauen nicht weg: Engagement von Licht für die Welt gegen NTDs

Organisationen wie Licht für die Welt setzen genau hier an. Seit vielen Jahren macht Licht für die Welt auf vernachlässigte tropische Krankheiten aufmerksam, unterstützt Betroffene und engagiert sich gemeinsam mit lokalen Partnern für die Eindämmung und langfristige Eliminierung dieser Erkrankungen.

Zusammen mit unseren Partnern bekämpfen wir unter anderem drei NTDs:

  1. Trachom
  2. Flussblindheit
  3. und lymphatische Filariose

Wir konzentrieren uns vor allem auf die präventive Behandlung und begrenzen die Ausbreitung dieser Krankheiten durch die Verteilung von Medikamenten.  

Teser’s Tochter bekommt Zithromax verabreicht, ein Antibiotikum zur Behandlung von Trachom (eine vernachlässigte tropische Krankheit) © Genaye Eshetu/Licht für die Welt

Doch Medikamente allein reichen nicht aus. Deshalb gehören auch sauberes Trinkwasser, bessere sanitäre Einrichtungen, Gesundheitsaufklärung sowie der Ausbau von Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu den Programmen. Wichtig ist dabei, dass niemand zurückgelassen wird: Frauen, Männer und Kinder sollen gleichermaßen Zugang zu Hilfe erhalten – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Behinderung.

Jüngste Erfolge, die Hoffnung machen

So groß das Problem ist, es gibt auch Grund zur Hoffnung: Die gemeinsame Arbeit zahlreicher internationaler Organisationen, nationaler Regierungen und der WHO zeigt Wirkung. Ein besonders wichtiger Meilenstein wurde beim Trachom erreicht: Die Zahl der Menschen, die aufgrund dieser Krankheit eine Behandlung benötigen, ist erstmals seit Beginn der globalen Aufzeichnungen unter 100 Millionen gesunken.

Während im Jahr 2002 noch rund 1,5 Milliarden Menschen als gefährdet galten, reduzierte sich diese Zahl bis November 2025 auf etwa 97,1 Millionen – ein Rückgang um beeindruckende 94 Prozent. Noch 2011 lag die Schätzung bei 314 Millionen behandlungsbedürftigen Menschen.

Auch insgesamt gibt es deutliche Fortschritte: Stand Dezember 2025 haben 58 Länder mindestens eine vernachlässigte tropische Krankheit erfolgreich eliminiert. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum globalen Ziel der WHO getan, bis zum Jahr 2030 in 100 Ländern die Eliminierung von NTDs zu erreichen.

Diese Erfolge zeigen: Vernachlässigte tropische Krankheiten müssen kein dauerhaftes Schicksal sein. Wenn wir hinschauen, handeln und langfristig investieren, können wir Millionen Menschen ein gesünderes und selbstbestimmteres Leben ermöglichen.