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Digitale Technologien – Der Gamechanger in der inklusiven Bildung

Minata sitzt an einem Holztisch und liest die Blindenschrift Braille. Sie trägt ein gelbes T-Shirt und hinter ihr ist die Tafel des Klassenzimmers zu sehen.
  • Augengesundheit

Der Einsatz technologischer Hilfsmittel im Schulunterricht ist sogar hierzulande noch eine Herausforderung. Doch für die 240 Millionen Kinder mit Behinderungen weltweit und vor allem jene in afrikanischen Ländern stellen sie eine neue Chance dar und verbessern nicht nur den inklusiven Unterricht, sondern reduzieren Barrieren.

„Wie soll ein blinder Mensch arbeiten, in die Schule gehen oder am Leben teilnehmen?“, das waren Christophe Oulés erste Gedanken, als er erfuhr, dass er mit nur 40 Jahren erblinden wird. Die Hoffnungslosigkeit kam über ihn. Erst durch die Worte seines Arztes konnte Christophe neue Hoffnung schöpfen: „Dass du lebst und für deine Töchter da bist, dass sie dich Papa nennen können, all das macht so viel aus. Denke nicht, dass du nutzlos bist!“

Allein in Burkina Faso leben mehr als 1,1 Million Menschen mit einer Sehbehinderung oder sind vollkommen blind. Integration und Inklusion schreiten nur langsam voran, denn der Zugang zu Zeitungen, Büchern oder Informationen bleibt ihnen verwehrt. Weltweit werden weniger als 10% der jährlich herausgebrachten Bücher in einem barrierefreien Format veröffentlicht.

Rechtliche Verankerung für barrierefreie Inhalte in Burkina Faso

Als begeisterter Bücherwurm vermisste Christophe das Lesen am meisten. Gemeinsam mit seiner Frau suchte er nach Lösungen und lernte mithilfe eines Vereins für blinde Menschen die Blindenschrift Braille.

Christophe Oulé setzt sich für inklusive Bildung ein. Er unterstützt Kinder mit Sehbehinderungen und zeigt ihnen, wie sie digitale Technologien nutzen können. © Gregor Kuntscher

Anschließend half er Kindern mit Sehbehinderungen an Schulen und benutzte während einer Ausbildung zum Trainer zum ersten Mal einen barrierefreien Computer. Für ihn eröffnete sich in diesem Moment eine neue Welt.

 „Ich konnte endliche diese Isolation hinter mir lassen und ich hatte viele neue Ideen und begann zu träumen, wie ich diese Technologie anwenden kann.“

Christophe Oulé, Gründer des Ressourcenzentrums in Burkina Faso

Digitale Technologien im inklusiven Unterricht zu verwenden ist ein großer Gamechanger für Menschen mit Behinderungen. In Burkina Faso dürfen Lesematerialien seit 2018 für Menschen mit Behinderungen digital aufbereitet werden, weil die Beschränkungen des Urheberrechts im Vertrag von Marrakesch für diesen Zweck gelockert wurden.

Technische Hilfsmittel für inklusiven Unterricht

Der Zugang zu digitaler Technologie hat Christophe Oulés Leben verändert. Diese Freude möchte er auch mit anderen Menschen mit Behinderungen teilen, indem er sich leidenschaftlich für inklusive Bildung engagiert und Kinder mit und ohne Behinderungen im Unterricht zusammenbringt.

Das Ressourcenzentrum in Ougadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, unterstützt zugängliche Lösungen der Informations- und Kommunikationstechnologie und wurde von Chrisophe mitbegründet. Die Mitglieder des Zentrums arbeiten nicht nur daran, digitale Technologien wie solarbetriebene Audiogeräte, Lesegeräte und Braille-Drucker für Menschen mit Behinderungen bereitzustellen. Es werden auch Lerninhalte für einen inklusiven Unterricht und Sachbücher sowie Literatur barrierefrei aufbereitet.

Im Ressourcenzentrum der Hauptstadt von Burkina Faso hilft Christophe Oulé Student*innen die digitalen Technologien zu benutzen. © Light fort he World

Das Ressourcenzentrum ist wichtig für die Schüler*innen, um die Inhalte und die Technologie zu erhalten. Denn anders als in vielen Teilen Europas hat nicht jede*r einen Stromanschluss, Internet und einen Laptop zu Hause.

Allein 2021 konnte das Zentrum in Burkina Faso 150 Bücher in das barrierefreie EPUB*-Format übersetzen. 54 weitere Bücher sind schon eingescannt und warten nur noch darauf, transformiert und gehört oder in Braille gelesen zu werden.

Verlorengeglaubte Bildungswege werden neu beschritten

Minata aus Burkina Faso sitzt an einem Tisch und liest in Braille.

Einer der wichtigsten Unterstützer für Menschen mit Sehbehinderungen ist das solarbetriebene Audiogerät, das auch Minata im Unterricht benutzt. Sie bekam Probleme mit dem Sehen, als sie in der dritten Klasse war.

Ihre Sehkraft schwand langsam und bald konnte sie nicht mehr in die Schule gehen. Nachdem sie mehrere Jahre zu Hause verbracht hatte, erfuhr sie von einem Freund vom Recherchezentrum.

Dank der Unterstützung ausgebildeter Trainer*innen konnte sie wieder an ihren Bildungsweg anknüpfen. Das erste Jahr war nicht einfach, doch mit dem Audiogerät konnte sie die Unterrichtseinheiten aufnehmen und die Schulbücher aus dem Unterricht anhören.

Das Zentrum hält für Schüler*innen wie Minata Lehrbücher, aber auch Romane bereit, die mithilfe von 11 Laptops und 10 Tablets auf eine kleine Speicherkarte aus dem Audiogerät übertragen werden. Mit dem Braille Drucker gibt es die Möglichkeit Unterrichtseinheiten im Nachhinein in Braille zu drucken und zu lesen.

Digitale Technologien: Der logische nächste Schritt in der inklusiven Bildung

Für Christophe ist der Einsatz von Technologie ein erprobter Weg nach vorne.

Dank technologischer Hilfsmittel konnten wir einige Barrieren für Kinder abbauen. Wir haben sie beim Lernen unterstützt und haben konnten so gute Ergebnisse erzielt. Fünf von sechs Student*innen, die mit einem Audiogerät lernten, haben ihren Abschluss erhalten.

Christophe Oulé

Technologische Hilfsmittel haben viel Potenzial für die inklusive Bildung, jedoch wird oftmals Strom- und Internetversorgung benötigt, die vor allem in ländlichen Gegenden nicht immer sichergestellt werden kann. Bei Licht für die Welt bemühen wir uns, so viele Lernende wie möglich zu erreichen, egal ob in ländlichen Gebieten oder in der Stadt, denn jede*r hat ein Recht auf Bildung und somit auf eine selbstbestimmte Zukunft.