- Inklusion im Beruf
- Inklusive Bildung
- Unser Einsatz
Über 2 Millionen Kinder mit Behinderung in Burkina Faso und Äthiopien gehen nicht zur Schule. Nicht, weil sie nicht lernen wollen, sondern weil das Schulsystem sie ausschließt. Das Programm „One Class for All“ ändert das.
Vincent und der Schulanfang, der nie kam
Mit sechs Jahren bekam Vincent keine Schultüte. Er betrat kein Klassenzimmer, und er wusste nicht, wie sich die Vorfreude auf den ersten Schultag anfühlt. Vincent ist von Geburt an gehörlos und kann sich nicht mit gesprochener Sprache verständigen. Eine Schule für ihn? Unvorstellbar.
Heute ist der Junge mit den stahlblauen Augen ein engagierter Schüler. Er liebt Mathematik und will Arzt werden. Was hat sich verändert?
Warum so viele Kinder mit Behinderung keine Schule besuchen
Vincents Geschichte ist kein Einzelfall. Die Gründe sind vielfältig:
- Scham und Vorurteile: Viele Eltern schicken ihr Kind mit Behinderung aus Scham nicht zur Schule.
- Hürden im Alltag: Der Schulweg ist zu weit oder zu beschwerlich.
- Fehlende Barrierefreiheit: Die meisten Schulgebäude sind nicht auf Kinder mit Behinderung ausgelegt.
- Fehlende Ausbildung: Den meisten Lehrkräften fehlt das Wissen, Kinder mit Behinderung zu unterrichten.
Dabei bedeutet inklusive Bildung mehr, als Kinder in einem Raum zu versammeln. Alle Kinder lernen gemeinsam, werden individuell gefördert, und die Lehrkräfte können auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen.
Nafisa Baboo, Direktorin für Inklusive Bildung bei Licht für die Welt, sagt:
Um Kindern mit Behinderungen das Recht auf Bildung zu gewähren, müssen sich die gesellschaftliche Akzeptanz, die politischen Rahmenbedingungen und die bisherigen Praktiken in den Bildungseinrichtungen verändern.
„One Class for All“: Unser Programm für inklusive Bildung
Genau hier setzt „One Class for All“ an. Seit 2016 arbeitet Licht für die Welt in Burkina Faso und Äthiopien auf mehreren Ebenen gleichzeitig, damit jedes Kind sein Recht auf Bildung wahrnehmen kann:
- In den Schulen: Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen entwickeln wir bauliche und inhaltliche Konzepte, damit Kinder mit Behinderung am Unterricht teilnehmen können.
- Bei den Lehrkräften: Mehr als 3.000 Lehrkräfte haben sich weitergebildet. Viele von ihnen haben ihre Schülerinnen und Schüler erstmals bis zum Schulabschluss begleitet.
- In der Politik: Wir arbeiten eng mit Regierungen zusammen, um die Rahmenbedingungen zu verbessern und sie an ihre Verantwortung zu erinnern. Denn auch der Staat profitiert von inklusiver Bildung: Armut sinkt, die Wirtschaft wächst, und die Gesellschaft wird stabiler und friedlicher.
Die Bilanz: Inklusive Bildung funktioniert
- Mehr als 600 Schulen in Burkina Faso und Äthiopien machen bei „One Class for All“ mit.
- Über 3.000 Lehrkräfte wurden weitergebildet.
- Über 8.000 Kinder haben bereits profitiert, so wie Vincent.
Vincent heute: Gebärdensprache als Schlüssel
Vincent lebt inzwischen bei einer Gastfamilie in der Stadt Manga. In der Schule hat er Gebärdensprache gelernt und schließt ein Schuljahr nach dem anderen erfolgreich ab. Auch seine Lehrerin hat Gebärdensprache gelernt.
„Ich freue mich, dass auch meine Lehrerin gelernt hat, in Gebärdensprache zu unterrichten. Somit kann ich mit meinen Freunden gemeinsam in einer Klasse sein“, erzählt Vincent.

Jedes Kind hat ein Recht auf Zukunft
Eine Behinderung darf nie der Grund sein, warum ein Kind keine Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft bekommt. Deine Unterstützung hilft Kindern wie Vincent, ihren Weg zurück ins Klassenzimmer zu finden.