- Augengesundheit
Drei Menschen aus drei Ländern. Drei unterschiedliche Lebenswege voller Hindernisse. Und drei Geschichten, die zeigen, was möglich wird, wenn Menschen mit Behinderungen Zugang zu Arbeit, Unterstützung und neuen Perspektiven erhalten.
Arbeit bedeutet weit mehr als nur ein Einkommen. Sie schenkt Menschen Selbstvertrauen, Unabhängigkeit und die Möglichkeit, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Auch in unseren Projektländern erleben Menschen mit Behinderungen häufig Ausgrenzung und kaum Chancen auf eine sichere Existenz.
Umso bewegender sind die Geschichten jener Menschen, die trotz großer Herausforderungen ihren Weg gehen — und durch Unterstützung neue Hoffnung schöpfen konnten.
1. Stanley Mbobua (76) aus Kenia
Es summt und brummt rund um den Arbeitsplatz von Stanley Mbobua und seiner Tochter Catherine Karwitha. Seit mehr als 50 Jahren widmet sich Stanley mit Leidenschaft der Imkerei. Auch eine körperliche Behinderung, die er seit einem Motorradunfall im Jahr 1996 hat, konnte ihn nie davon abhalten, seinen Beruf auszuüben.
Statt aufzugeben, entwickelte er kreative Ideen, um sein Geschäft weiterzuführen und auszubauen. So begann er beispielsweise, auch den Honig anderer Imker*innen aus der Umgebung zu filtern und zu verpacken. Dadurch können diese ihre Produkte zu besseren Preisen verkaufen — und Stanley erschloss sich gleichzeitig eine zusätzliche Einkommensquelle.
Doch sein Weg war nicht einfach: Der Honig ließ sich über lange Zeit nur schleppend vermarkten, und die Verarbeitung fand unter schwierigen Bedingungen im Freien statt.
Durch die Teilnahme am InBusiness-Programm von Licht für die Welt lernten Stanley und Catherine, wie sie ihren Honig professionell vermarkten können — von ansprechender Verpackung bis hin zu Werbung und Verkauf. Zusätzlich wurde mit Unterstützung ein eigenes Gebäude für die Honigverarbeitung errichtet.
Heute blickt Stanley stolz auf das zurück, was er aufgebaut hat — und gibt sein Wissen an andere weiter.
Sogar ich unterrichte andere Menschen in der Bienenzucht — obwohl ich eine Behinderung habe. Es ist der Kopf, der zählt.
Stanley Mbobua, Imker
2. Fatuma Mahamoud (36) aus dem Südsudan
Der Krieg im Südsudan veränderte das Leben von Fatuma Mahamoud von einem Tag auf den anderen. 2016 verlor sie ihren Ehemann und musste plötzlich allein für ihre fünf Kinder sorgen.
Trotz ihrer körperlichen Behinderung entschied sie sich, nicht aufzugeben. Um ihre Familie ernähren zu können, eröffnete sie ein kleines Tee-Geschäft. Doch Vorurteile und Ausgrenzung machten es ihr schwer: Viele Menschen mieden sie, und sie wusste oft nicht, wie sie ihre Kinder versorgen sollte.
Durch das Projekt „We Are Able“ von Licht für die Welt erhielt Fatuma die Chance auf einen Neuanfang. In einem dreimonatigen Business-Training lernte sie, wie man ein kleines Unternehmen führt, Kund*innen gewinnt und gleichzeitig den Alltag mit ihren Kindern bewältigt.
Zusätzlich erhielt sie ein kleines Startkapital, mit dem sie ein eigenes Restaurant aufbauen konnte. Heute läuft ihr Geschäft erfolgreich. Sie kann ihre Familie versorgen — und denkt bereits an die Zukunft.
Ich möchte in Zukunft größere Projekte angehen, um Waren auf den Markt zu bringen. Das wird helfen, die Ernährungsunsicherheit in unserem Land zu bekämpfen.
Fatuma Mahamoud, Restaurant-Besitzerin
3. Drissa Bambara (28) aus Burkina Faso
Aufgrund einer Entwicklungsverzögerung und Epilepsie konnte Drissa Bambara nie zur Schule gehen. Viele Jahre lang wurde er von seiner Gemeinschaft ausgeschlossen und kaum wahrgenommen.
Nach dem Tod seines Vaters kümmerte sich seine Mutter allein um ihn — und kämpfte täglich darum, die teuren Medikamente für ihren Sohn bezahlen zu können.
Erst durch die Aufnahme in das Projekt „Inklusive Einkommensaktivitäten für benachteiligte Frauen und Menschen mit Behinderungen in Boulgou“ von Licht für die Welt änderte sich das gemeinsame Leben langsam.
Zu Beginn arbeitete das Projekt intensiv mit der Gemeinde, um Vorurteile abzubauen und Bewusstsein für die Rechte und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Schritt für Schritt wurde Drissa wieder stärker in das soziale Leben eingebunden.
Mit einem kleinen Kredit konnte er schließlich zwei Ziegen kaufen. Seitdem kümmert er sich mit großer Hingabe um die Tiere und baut sich nach und nach eine kleine Herde auf. Die Verantwortung gibt ihm Struktur, Selbstvertrauen und neue Perspektiven für seine Zukunft.
Die Tierzucht erlaubt es mir, zu zeigen, dass ich Verantwortung übernehmen kann und darauf bin ich stolz. Ich tue alles, um meine Herde zu vergrößern. Diese Aktivität wird es mir ermöglichen, nach und nach unabhängig zu werden.
Drissa Bambara, Ziegenhirte
Diese drei Geschichten zeigen eindrucksvoll, wie viel möglich wird, wenn Menschen mit Behinderungen Zugang zu Bildung, Unterstützung und wirtschaftlichen Chancen erhalten. Denn Inklusion bedeutet nicht nur Teilhabe — sie schafft Zukunftsperspektiven, stärkt ganze Familien und verändert Gemeinschaften nachhaltig.