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Wendabo

Unsere Kollegin Marianne Fobel lernt in Burkina Faso ein ganz besonderes Mädchen kennen.
Marianne Fobel mit Scharr von Kindern in Turnhalle

Es ist Anfang Oktober, Ende der Regenzeit im afrikanischen Burkina Faso. 

Gerade habe ich eine lange Autofahrt über staubige rostbraune Straßen hinter mir. Als Pressesprecherin überzeuge ich mich selbst regelmäßig von unserer Arbeit und spreche mit den Menschen vor Ort. Im Dorf Gogo treffe ich ein außergewöhnliches Mädchen namens Wendabo – übersetzt heißt das „Es ist Gottes Wille“. Die 12-Jährige sitzt in ihrem einfach eingerichteten Klassenzimmer umringt von 72 Mitschülern. Ich bin hier, weil sich Licht für die Welt dafür eingesetzt hat, dass Wendabo zur Schule gehen kann.

In der Dorfschule hat der Unterricht nach den großen Ferien wieder begonnen. Mathe steht auf dem Lehrplan. Wendabo schreibt eine Rechenaufgabe auf eine Schiefertafel. Ich erinnere mich dabei an meine eigene Schulzeit. Und wie wenig mir damals bewusst war, unter welchen Umständen andere Kinder zur Schule gehen, denke ich, als ich Wendabo zusehe.

Wendabo schreibt

Kinder mit Behinderung häufig ausgegrenzt

Geschickt hält sie die Kreidestummel zwischen ihren Armen und mit dem Mund – denn das Mädchen wurde ohne Hände, Unterarme und Beine geboren. Wendabo ist das einzige Kind im Klassenzimmer mit einer Behinderung. Denn die wenigsten Kinder mit Behinderungen gehen in dem westafrikanischen Land zur Schule. Stattdessen werden sie häufig aufgrund von Vorurteilen und aus Scham versteckt, ausgegrenzt oder verlassen.

Auch Wendabos Vater verließ die Familie, als er sah, dass sein Kind mit einer Behinderung geboren wurde. Er habe nicht akzeptieren wollen, dass das Mädchen sein Kind sei, habe sie sogar als Säugling „loswerden“ wollen, erzählt mir Wendabos Mutter, Pascaline.
Dank der Hilfe von Licht für die Welt hat sich das Leben für das körperlich behinderte Mädchen Wendabo sowie ihre Mutter und ihre Schwestern zum Besseren gewendet. Die kleine Familie kann jetzt in einem eigenen Haus leben. Zudem kann die Mutter nun den Lebensunterhalt selbst verdienen und muss nicht mehr mit ihren Kindern betteln gehen.
Dank der Hilfe von Licht für die Welt hat sich das Leben für das körperlich behinderte Mädchen Wendabo sowie ihre Mutter und ihre Schwestern zum Besseren gewendet.

Wendabo und ihre Familie

Ohne ein Einkommen und die Unterstützung des Vaters sah sich Wendabo’s Mutter gezwungen, mit ihrer Tochter betteln zu gehen. Doch zum Glück wurde eine meiner Kolleginnen, eine Sozialarbeiterin von Licht für die Welt, auf die Familie aufmerksam. Licht für die Welt half der Mutter, ein eigenes Einkommen zu beziehen. Die Organisation bezahlte Pascaline einen Verkaufsstand mit Kochtöpfen, an dem sie nun Reis kocht und an die Dorfbewohner verkauft. Zudem hat Licht für die Welt ein neues Haus für die Mutter und ihre Töchter gebaut – denn bisher lebten sie zur Miete in einer einfachen Lehmhütte, die zu klein war, um darin zu schlafen.

Doch ganz besonders freut es mich, dass Wendabo heute zur Schule gehen kann. Licht für die Welt konnte die Schule überzeugen, das Mädchen aufzunehmen. Und ihre Lehrerin hat ein Training zu Inklusion im Klassenzimmer erhalten. Es wurde auch eine Rampe an einem der Schulgebäude gebaut, damit Wendabo mit ihrem Rollstuhl ins Klassenzimmer kommt.

Zur Schule gehen bedeutet Zukunft

Zur Schule gehen – für Wendabo bedeutet das die Welt. Hier hat sie Freunde gefunden, kann lernen und ihre Fähigkeiten entfalten. Wendabo hat Selbstvertrauen geschöpft und Hoffnung entwickelt für die Zukunft. Sie möchte einmal Lehrerin werden.

Immer wieder kommt mir meine eigene Schulzeit ins Gedächtnis: Auch ich bin gerne zur Schule gegangen. Kinder bauen hier Freundschaften auf, werden Teil einer Gemeinschaft und lernen soziale Akzeptanz. Mir hat meine Schulbildung ermöglicht, dass ich mich heute für Chancengleichheit einsetzen kann. Und es motiviert mich, Wendabo dabei zuzusehen, wie sie mit ihren Freunden spielt, gemeinsam lernt und in der Gemeinschaft akzeptiert ist.

Damit noch mehr Kinder die Chance auf eine bessere Zukunft haben, gehe ich jeden Tag zur Arbeit. Ich bin dankbar für die Unterstützung, die wir dabei von unseren SpenderInnen erhalten. Denn so können wir Kindern wie Wendabo Zugang zu Bildung und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.