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Südsudan: Zusammenarbeit und Friede durch Gebärdensprache

Jene Gruppe Menschen, die im Südsudan an einem Lexikon für Gebärdensprache gearbeitet hat, steht in einer Gruppe zusammen und lächelt in die Kamera.

Am Internationalen Tag der Gebärdensprachen am 23. September präsentiert Licht für die Welt in der Hauptstadt Juba ein neues Gebärdensprachlexikon. Ein Meilenstein für die gehörlosen Menschen im Südsudan.

70 Millionen Menschen weltweit sind gehörlos. Sie nutzen insgesamt mehr als 300 Gebärdensprachen. 2017 führten die Vereinten Nationen einen eigenen Welttag der Gebärdensprachen ein, um deren Wichtigkeit für die Identität, Selbstbestimmung und Kommunikation gehörloser und schwerhöriger Menschen zu zeigen. 

„80 Prozent der gehörlosen Menschen leben in einkommensschwachen Ländern. Bildung und Information werden aber zu wenig in Gebärdensprachen angeboten,“ erklärt Ambrose Murangira, gehörloser Inklusionsexperte bei Licht für die Welt in Uganda. „Wir unterstützen daher ausdrücklich die Kampagne des Weltverbands der Gehörlosen  zur Anerkennung von Gebärdensprachen als Menschenrecht.“

Sprache stiftet Identität und reduziert Barrieren

Im Südsudan sind schätzungsweise drei Prozent der 11 Millionen Südsudanes*innen gehörlos oder schwerhörig, genaue Daten fehlen. Mangels einer offiziellen nationalen Gebärdensprache behalfen sich die Menschen bisher mit einer Mischung aus lokal verwendeten Gebärden und Gebärdensprachen aus anderen Ländern. 

Das Fehlen einer einheitlichen Sprache erschwerte nicht nur Zusammenleben und Zusammenarbeit, sondern auch Bildung, den Zugang zu Information und Gesundheitsdiensten. 

 „Weniger als ein Prozent der gehörlosen Menschen im Südsudan erhalten Gesundheitsversorgung, einfach weil es keine gemeinsame Kommunikation gibt“, berichtet Sophia Mohammed, Direktorin von Licht für die Welt im Südsudan. 

800 neue Gebärden 

Gemeinsam mit dem südsudanesischen Gehörlosenbund und dem nationalen Sozialministerium erarbeitete Licht für die Welt ein neues Gebärdensprachlexikon. Der Entwicklungsprozess dauerte mehrere Jahre, nicht zuletzt aufgrund der Sicherheitslage im Land und der COVID-19 Pandemie.

Sophia Mohammed schildert den Prozess: „Zu sehen, wie Menschen aus allen Teilen des Landes vereint an diesem Projekt arbeiteten, war wirklich beeindruckend. Zu Beginn stand ein ausführlicher Gruppenbildungsprozess, um alle Organisationen zusammenzubringen.“ 

Das Lexikon mit über 800 Gebärden zu wichtigen Themen und Lebensbereichen wird am Welttag der Gebärdensprachen in Juba präsentiert. 

Verwendung des Lexikons

Eine der federführenden Akteur*innen in der Entwicklung des Lexikons war Esther Piro, eine junge gehörlose Südsudanesin, die auch im nationalen Gehörlosenbund aktiv ist. „Dieses Gebärdensprachlexikon ist unglaublich wichtig. Es wird gehörlosen Kindern und Eltern helfen, der ganzen Gemeinschaft und auch den Menschen ohne Behinderungen. Mein Appell ist: nutzt das Lexikon, damit die Kommunikation gut fließen kann.” 

Im nächsten Schritt wird das Lexikon in allen zehn Provinzen verteilt. Es wird als Grundlage für die Ausbildung zusätzlicher Gebärdensprach-Dolmetscher*innen dienen und auch in der Sozialarbeit und in Schulen verwendet werden. Esther Piro wird weiterhin eine wesentliche Rolle spielen. Sie wird eine der Haupttrainerinnen sein.