11.06.2020

Zum Welttag des Albinismus: Coronakrise verschlimmert Lage der Menschen in Mosambik

Licht für die Welt im Kampf gegen den fatalen Aberglauben

Zum Welttag des Albinismus am 13. Juni erinnert Licht für die Welt an die Probleme mit denen Menschen mit Albinismus zu kämpfen haben. In manchen Ländern im südlichen Afrika werden sie wegen ihrer Hautpigmentstörungen diskriminiert, verfolgt, verstümmelt und sogar ermordet. Die Coronakrise hat die Lage nun verschlimmert. Licht für die Welt unterstützt vor allem in Mosambik Menschen mit Albinismus und unternimmt Kampagnen gegen den diskriminierenden Aberglauben, der schon vielen Menschen auf grausame Weise das Leben kostete.

Menschen mit Albinismus werden auf der Straße angespuckt

Dorlinda aus Mosambik ist 42 Jahre alt. Von ihren acht Geschwistern wurden vier ebenfalls mit Albinismus geboren. Sie war einmal ein glückliches Kind. Aber als sie in die Schule kam, begann der Kampf gegen den Aberglauben, dass sogenannte „Albinos“ andere Menschen reich machen könnten. Ihr Lehrer hatte auch Mitleid mit ihr wegen ihrer Hautfarbe, weil er weiß, was Dorlinda alles zustoßen kann. „Menschen spucken dich einfach an, weil du anders aussiehst“, sagt Dorlinda. Wenn sie das Haus verlässt, muss sie Angst haben, entführt zu werden. Sie hat drei Kinder und einen Mann, der eine körperliche Behinderung hat. Nach dem Tropensturm Idai letztes Jahr war die Familie am Ende. Ihr Mann musste auf den Straßen betteln gehen, damit sie überleben können. Über ein Programm von Licht für die Welt bekam die Familie Baumaterialien, Nahrungsmittel und psychologische Unterstützung. Nun in Zeiten der Coronakrise hat es die Familie besonders schwer. „Wir hatten eine kleine Schneiderei eingerichtet. Aber durch die Beschränkungen durch COVID-19 können wir dort nicht mehr hin und müssen zu Hause arbeiten. Und die Kunden bleiben auch aus“, erzählt sie verzweifelt. Und auch ihr Infektionsrisiko steigt. „Um meine empfindlichen Augen vor der Sonne zu schützen, muss ich mir viel öfter als andere Menschen die Hände vor die Augen halten. Dadurch haben Menschen wie ich ein höheres Risiko infiziert zu werden, weil der Virus auch durch Berührung im Gesicht übertragen werden kann“, berichtet Dorlinda.

„Sie wollten mir den Kopf abschneiden“

Ein ähnliches Schicksal erfuhr auch die mit Albinismus geborene Anita. Das 22-jährige mosambikanische Mädchen aus dem Búzi-Distrikt leidet ebenfalls unter den Zerstörungen durch den Tropensturm Idai und die großflächigen Überschwemmungen in den letzten Monaten. Jetzt kamen weitere Probleme durch den Corona-Lockdown hinzu. Der Vater ihres Kindes hat sie verlassen, als sie schwanger war. Er hatte Angst, dass ihr gemeinsames Kind mit Albinismus zur Welt kommt. Zwei ihrer Brüder wurden ebenfalls mit dem Gendefekt geboren. Bereits Anitas Vater ließ die Familie deswegen im Stich, weil er seine Kinder als „Strafe Gottes“ betrachtete. „Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt auf die Straße ging ohne Angst haben zu müssen. Die Gefahr lauert überall. Als ich einmal von der Schule nach Hause kam, wollten mich einige Verfolger töten und mir den Kopf abschneiden. Nur weil ich so laut schrie, haben mich Nachbarn gerettet“, erzählt sie entsetzt. „Neben der ständigen Gefahr entführt und getötet zu werden ist mein größtes Problem der Mangel an Sonnenschutzcremes. Sie sind sehr teuer und oft bekommt man sie gar nicht. Viele von uns sterben deshalb an Hautkrebs“, sagt sie. Anita möchte Krankenschwester werden, auch um anderen Menschen mit Albinismus zu helfen. Doch durch die Coronakrise wurde der Unterricht eingestellt.

Im Kampf gegen den tödlichen Aberglauben

Die Organisation Licht für die Welt und ihre lokalen Partner setzen sich in Mosambik für die Rechte von Menschen mit Albinismus ein und kämpfen gegen Diskriminierung und Aberglauben. Auf speziellen Veranstaltungen werden Polizei, Behörden und die lokalen Gemeinden eingebunden. Auch werden Familien mit Albinismus in Not unterstützt. Die Kampagnen und Hilfen werden mit Mitteln der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA) unterstützt. Der Welttag des Albinismus erinnert jährlich an deren Menschenrechte.

Haut und Augen sind besonders empfindlich

In Afrika gibt es hunderttausende Menschen mit Albinismus. Allein in Mosambik wird die Zahl von den Vereinten Nationen auf 20.000 bis 30.000 geschätzt. Da dieser Gendefekt dort sofort sichtbar ist, sind diese Menschen enormen Diskriminierungen ausgesetzt. Im Aberglauben werden ihnen magische Fähigkeiten nachgesagt. Das führt sogar dazu, dass sie wegen ihres Aussehens verfolgt, getötet und ihre Körperteile verkauft werden. Durch die wesentlich empfindlicheren Augen haben Menschen mit Albinismus oft Sehbehinderungen und können erblinden. Ihre Haut ist durch die starke Sonneneinstrahlung in Afrika besonders gefährdet. Hautkrankheiten, vor allem Hautkrebs, treten besonders häufig auf.

Rückfragen:
Franko Petri
Pressesprecher Licht für die Welt
E-Mail: f.petri [at] licht-fuer-die-welt.at
Telefon: 01-8101300-34

Licht für die Welt
Licht für die Welt ist eine internationale Fachorganisation für inklusive Entwicklung mit Sitz in Österreich. Unser Ziel ist eine inklusive Gesellschaft, die allen offen steht und niemanden zurücklässt. Wir setzen uns für barrierefreie augenmedizinische Versorgung ein und unterstützen inklusive Bildung und Rahmenbedingungen für ein selbst bestimmtes Leben, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. Licht für die Welt ist als unabhängiger, gemeinnütziger Verein organisiert und unterhält Länderbüros in Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und Südsudan. Mit unseren Programmen stärken wir die Rechte von Menschen mit Behinderungen, ermöglichen ihnen ein selbst bestimmtes Leben und helfen ihnen aus der Armutsfalle.

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