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Eine Spenderin erzählt: Wieso habe ich mich für eine Testamentsspende entschieden?

In einem persönlichen Interview erzählt Testamentsspenderin Martha Haider über ihr bewegtes Leben und wieso sie sich dazu entschieden hat, Licht für die Welt in ihrem Testament zu bedenken.

Sehen ist für mich das Um und Auf. Und ich geb´s gern, weil ich weiß, damit könnt ihr helfen. Gibt es etwas Schöneres, als diesen Beitrag zu leisten?

Frau Haider, möchten Sie uns etwas über Ihren Lebensweg erzählen?

Ich bin 1942 in Wien geboren und verwitwet. Nach dem Krieg war ich für neun Monate gemeinsam mit meiner jüngeren Schwester bei Pflegeeltern in Pamplona in Spanien. Da es in Wien wenig zu essen gab, wurden viele Kinder ins Ausland geschickt und bei Gasteltern untergebracht. Dort habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich gar nicht ins zerbombte Wien zurückkehren wollte. Meine Schwester ist bis heute meine wichtigste Bezugsperson – sie steht mir in jeder Lebenslage bei und unterstützt mich, wenn ich Hilfe brauche. Mittlerweile leide ich am Grünen Star und sehe nur noch sehr schlecht.

Was haben Sie beruflich gemacht?

Ich war Chemielaborantin an der Technischen Universität Wien. Zunächst arbeitete ich am Institut für Organische Technologie, danach kurz in der Petrochemie und anschließend in der Zuckerforschung. Schließlich wechselte ich in die Physikalische Chemie, wo ich bis zu meiner Pensionierung blieb.

Damals war es noch sehr ungewöhnlich, als Frau in einem naturwissenschaftlichen Beruf tätig zu sein – pro Semester gab es vielleicht zwei Frauen. Im Maschinenbau war es sogar noch seltener. Heute hat sich das glücklicherweise sehr verändert: An Universitäten, in Laboren und beim Studium ist es viel selbstverständlicher geworden, dass Frauen naturwissenschaftliche Wege einschlagen.

Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, haben Sie ja große Veränderungen im Land erlebt – vom Krieg bis zum heutigen Wohlstand. Wie empfinden Sie diese Entwicklung?

Ich habe die schwere Zeit nach dem Krieg miterlebt, aber auch den Aufbruch danach und die Studentenrevolution. Damals durfte man die Universität nur mit Ausweis betreten – das war schon beängstigend. Ich erinnere mich an einen Morgen, an dem ich zur Arbeit wollte und alles versperrt war. Erst nachdem ich meinen Ausweis gezeigt hatte, ließ mich der Wachbeamte hinein.

1999 ging ich in Pension. Mein Mann war damals schon schwer krank, und ich wollte bei ihm zu Hause bleiben. Kurz davor stand außerdem die Übersiedelung vom Getreidemarkt auf die Vetmed an. Dabei hätte man unter anderem den Giftschrank ausräumen und viele gefährliche Stoffe bewegen müssen – ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen. Da bestand eine reale Gefahr durch Einatmen der Substanzen. Ich wollte das nicht mehr mitmachen und habe entschieden, in Pension zu gehen.

Was sind oder waren Ihre Hobbies?

Früher habe ich sehr viel gestrickt und gestickt, und auch das Lesen hat mir immer gutgetan. Leider ist das durch meine Augenerkrankung heute kaum noch möglich. Wandern war ebenfalls eine große Leidenschaft – ich war oft mit einer Gruppe unterwegs, und gemeinsam sind wir in Etappen den Jakobsweg gegangen. Viermal war ich dabei, das war jedes Mal ein unvergessliches Erlebnis.

Heute kann ich leider nicht mehr so gut gehen, weil ich unsicher auf den Beinen bin. Früher war ich auch regelmäßig tanzen. Jetzt nehme ich an einem LIMA-Kurs teil – das ist ein Gedächtnistraining mit Bewegung für ältere Menschen. Wir bekommen auch Übungen für zu Hause, die ich regelmäßig mache.

Welche Rolle spielt die Kirche in Ihrem Leben?

Der Sonntagsgottesdienst ist mir sehr wichtig, ebenso die großen Feiertage. Früher, als ich bereits in Pension war, habe ich auch in der Pfarrkanzlei ausgeholfen – etwa drei Stunden pro Woche. Das hat mir viel Freude bereitet.

Was hat Sie an Licht für die Welt besonders angesprochen?

Weil ich selbst schlecht sehe, bin ich auf Licht für die Welt aufmerksam geworden. Eure Arbeit berührt mich, weil sie schon bei den Kindern ansetzt – mit dem Ziel, Sehkraft zu erhalten, zu verbessern oder sogar wiederherzustellen. Je früher man hilft, desto größer ist die Wirkung.

Ich sehe mir sehr gern den Kinderkalender mit den Zeichnungen an und bin jedes Mal begeistert von den Träumen und Zielen der Kinder. Bei uns ist so vieles selbstverständlich, was diese Kinder nicht haben. Mir kann man nicht mehr helfen – ich bin eine alte Frau –, aber dort kann man noch etwas bewirken, und das will ich.

Ich gebe meinen Beitrag mit gutem Gewissen und der Hoffnung, dass ich damit helfen kann, anderen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen.

Sehen ist für mich das Um und Auf. Deshalb habe ich mich entschieden, Licht für die Welt in meinem Testament zu bedenken. Gott sei Dank komme ich mit meiner Pension gut aus, und meine Verwandten sind alle in einer besseren Lage als ich – sie brauchen keine Unterstützung. Aber Licht für die Welt braucht sie. Ich gebe meinen Beitrag mit gutem Gewissen und der Hoffnung, dass ich damit helfen kann, anderen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Gibt es etwas Schöneres, als dazu beizutragen?

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Ich versuche, das Alter anzunehmen – genauso wie meine Augenerkrankung. Man muss lernen, alles zu akzeptieren, was das Leben bringt. Gleichzeitig tue ich, was ich kann, um aktiv zu bleiben. Bewegung ist mir wichtig, und ich achte darauf, meinem Alltag Struktur und Rhythmus zu geben.

Denken Sie manchmal über das Sterben nach?

Ja, natürlich. Ich weiß, dass ich mich verbrennen lassen möchte und wünsche mir ein christliches Begräbnis. Alles im Leben hat einen Anfang und ein Ende – darüber kann man ruhig sprechen. Den Gedanken daran zu verdrängen, bringt ja nichts. Das Sterben selbst tut nicht weh, aber das Leiden davor unter Umständen schon.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie in Erinnerung bleiben? Unsere Organisation hat ja eine Erinnerungstafel mit den Namen unserer Testamentsspender*innen.

Ehrlich gesagt, ist mir das nicht wichtig. Irgendwann hört alles auf, und das Leben geht weiter. Vielleicht findet man irgendwann einmal etwas von einem, aber im Großen und Ganzen dreht sich die Welt einfach weiter. Ich verstehe aber gut, dass es für eine Organisation schön ist, wenn sie Namen ihrer Testamentsspender*innen auf einer Erinnerungstafel bewahrt.

Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

Ich weiß nicht, ob ich meinem jüngeren Ich überhaupt einen Rat geben könnte – die Welt hat sich so stark verändert. Junge Menschen leben heute in einer völlig anderen Zeit. Alles ist durch Handys und das Internet miteinander verbunden – man hat die ganze Welt in der Hand.

Ich erinnere mich noch genau, als die ersten Handys aufkamen. In meiner Kindheit gab es bei uns zu Hause nur ein Radio. Einmal sind meine Schwester und ich zu einem Elektrohändler beim Wiener Westbahnhof gegangen, um uns einen Fernseher in der Auslage anzusehen – wir hatten vorher nur davon gehört. Für meinen Mann habe ich später einmal einen Taschenrechner gekauft, der 400 Schilling kostete. Das war damals fast ein Wunder. Heute kann ich auf meinem Handy alles rechnen, mein Konto prüfen und sogar Online-Bankgeschäfte erledigen.

Ich finde das alles sehr praktisch, aber meine Augen machen es mir schwer. Wie soll ich also einem jungen Menschen Ratschläge geben, der in einer so anderen Welt aufwächst? Die Zeiten ändern sich – und man muss einfach mitgehen, so gut es geht.