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Wie jeder und jede andere

Vincent aus Burkina Faso ist gehörlos. Dennoch kann er am Unterricht teilnehmen wie andere SchülerInnen auch.
Vincent und seine Lehrerin sprechen Gebärdensprache, Foto: Gregor Kuntscher

In Sandra Demes Klasse in Manga/Burkina Faso sitzt ein Junge mit gelbem T-Shirt, farbig-gemusterter Hose und stechend blauen Augen. Vincent ist 12 Jahre alt und möchte einmal Arzt werden. Weil Vincent zur Schule geht, könnte sein Traum tatsächlich eines Tages in Erfüllung gehen. Derzeit besucht er die inklusive Klasse in der lokalen Schule in Manga. Eine Ausnahme für Kinder wie Vincent in Burkina Faso. Für Kinder, die gehörlos sind.

Denn die meisten Kinder mit Behinderungen in dem westafrikanischen Land haben nie eine Schule besucht. Viele gehörlose Kinder lernen außerdem nicht Gebärdensprache und haben daher keine Möglichkeit, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken oder zu zeigen, was in ihnen steckt. 

Aber Vincent hatte Glück. 

Gebärdensprache in der Klasse

Licht für die Welt unterstützt die Schule, in die er geht, um inklusiver zu werden. So werden LehrerInnen wie Sandra Demes ausgebildet, die auch Gebärdensprache sprechen. Gemeinsam mit Licht für die Welt entwickelte die Schule außerdem eine Strategie, um mehr gehörlose Kinder in die Schule zu bringen. Und so haben Kinder wie Vincent eine Chance auf eine Zukunft, die sie selbst gestalten können. 

Einige Jahre zuvor war das noch anders. „Bevor Licht für die Welt auf uns zuging, dachte ich nicht, dass inklusive Bildung möglich sei.“, sagt Priester Georges Bilgo, der 14 Schulen in der Region betreut. Die Katholische Kirche und Bildung sind in Burkina Faso eng miteinander verwoben. 40 % der Schulen werden hier von der Katholischen Kirche geführt, so auch Vincents. Die letzten sieben Jahre hat George Bilgo gemeinsam mit Licht für die Welt daran gearbeitet, seine Klassen inklusiv für Kinder mit Behinderungen zu machen. Diese Arbeit hat ihn überzeugt, dass inklusive Bildung funktioniert. 

All inclusive

Und wie funktioniert sie in Manga? Lehrerin Sandra Demel steht Vincent an der Tafel. Mit einem Holzstab zeigt sie auf einen mit Kreide geschriebenen Satz, den Vincent in Gebärdensprache vorliest. Auch die anderen Kinder in der Klasse verstehen, was Vincent sagt, denn alle – auch hörende Kinder – lernen in Gebärdensprache zu kommunizieren. Vincent ist somit kein isoliertes Mitglied in der Klasse, sondern ein Mitschüler wie jeder oder jede andere. 

Georges Bilgo glaubt stark daran, dass inklusive Bildung der Weg für seine Schulen ist. Obwohl es noch einiges zu tun gibt. „Wir brauchen mehr Unterstützung, um genügend LehrerInnen in Gebärdensprache auszubilden und Material zu kaufen, das gehörlosen Kindern dabei hilft, lesen zu lernen.“ Inzwischen setzt er sich weiterhin für eine Schule für alle ein, arbeitet mit Sozialarbeitern, Eltern und Familien mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen, um Vorurteile abzubauen. 

Und freut sich über die Erfolge, die er bereits vorangetrieben hat. Letztes Jahr konnten zum Beispiel die ersten SchülerInnen mit Behinderungen ihren Abschluss machen.