Vorrang geben beim Impfen: Menschen mit Behinderungen zählen dazu!

In vielen Teilen der Welt haben Regierungen ihre Impfpläne finalisiert. Doch Menschen mit Behinderungen werden darin oft nicht berücksichtigt. Die gemeinsame Kampagne von Licht für die Welt und zahlreichen Partnerorganisationen macht klar, dass Menschen mit Behinderungen auch zu Risikogruppen zählen können.
Auf einer offenen Fläche, umringt von Palmen auf mit Markierungen bemalten Boden, stehen Frauen in Abstand von mehr als einem Meter und warten. Sie alle tragen Mundschutz und haben die Hände vor ihrem Körper geduldig verschränkt.

Vor einem Jahr, am 11. März, hat die WHO das rasante Verbreiten des Coronavirus zur Pandemie ausgerufen. Schon damals wurde die Impfung als Weg aus der Krise angepriesen. Jetzt, ein Jahr später, steht sie uns zwar zur Verfügung, doch nun droht eine weltweit ungleiche Verteilung, welche die Schere zwischen arm und reich zu vergrößern droht. 

Laut der Deutschen Welle räumt der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, ein, dass es richtig sei, das Gesundheitspersonal und ältere Menschen zuerst zu impfen. Aber es sei nicht richtig, jüngere, gesündere Menschen in den reichen Ländern vor dem Gesundheitspersonal und älteren Menschen in den armen Ländern zu impfen. 

 „Menschen mit Behinderungen müssen beim Impfen priorisiert werden“, fordert Johanna Mang von Licht für die Welt. 80 Prozent aller Menschen mit Behinderungen leben im Globalen Süden. Sie trifft die Pandemie besonders stark, denn viele leben in Armut, haben Vorerkrankungen und sind dadurch größeren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Deswegen hat Licht für die Welt gemeinsam mit Partnerorganisationen eine internationale Kampagne gestartet, damit jene, die die Impfung am dringendsten benötigen, sie auch bekommen können.

Priorität für Menschen mit Behinderungen

Äthiopien hat Anfang der Woche die ersten zwei Millionen Impfdosen erhalten und erwartet eine weitere Lieferung in den kommenden Monaten. Doch Menschen mit Behinderungen sind im Impfplan derzeit noch nicht vorgesehen. 

Auch in Österreich war nicht von Anfang an klar, dass Menschen mit Behinderungen auch zur Risikogruppe zählen können und damit ein Anrecht auf die ersten Impfdosen haben. Martin Ladstätter ist Gründungsmitglied und Obmann von BIZEPS, dem ersten österreichischen Zentrum für Selbstbestimmtes Leben,  und setzt sich schon seit 1992 für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. „Zu Beginn wurden nur älteren Menschen in Pflegeheimen eine Priorität eingeräumt. Wir mussten viel Aufklärungsarbeit leisten, bis Politiker und Politikerinnen erkannten, wie wichtig es ist, Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen.“ 

In Indien haben AktivistInnen rechtliche Schritte gesetzt, um Menschen mit Behinderungen zu priorisieren. Murali Padmanabhan, Mitarbeiter von Licht für die Welt in Indien, berichtet von Gerüchten und Fehlinformationen, die Skepsis gegenüber der Impfung und ihrer Wirksamkeit auslösen. Es gibt zu wenige Möglichkeiten, sich über mögliche Wechselwirkungen zwischen der COVID-19-Impfung und Behinderung oder Vorerkrankungen zu informieren. 

Barrierefreiheit: Von inklusiver Information über räumliche Voraussetzungen

Barrierefreiheit ist hier der Schlüssel zu Aufklärung und Vertrauen. Nicht nur Gesundheitszentren, in denen Impfungen verabreicht werden, müssen für Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht werden. 
Auch Wissen muss verfügbar sein, denn sobald sich ein Mensch mit Behinderungen nicht selbst informieren kann, sind sie vom Wissen und den Urteilen anderer abhängig. Um Ängste zu reduzieren, müssen

Differenzierte Datensammlung 

Um herauszufinden, welche Wechselwirkungen die Impfung in Kombination mit Vorerkrankungen und Behinderungen hat, ist es wichtig, Daten mit Hinblick auf Behinderungen auszuwerten und diese Informationen barrierefrei zu verteilen.  

Egal ob in zahlungskräftigen Staaten oder ärmeren Ländern – Menschen mit Behinderungen gehört überall Priorität eingeräumt, denn sie sind oft am schwersten von der Pandemie betroffen. Der weltweite Dachverband der SelbstvertreterInnen International Disability Alliance (IDA) und International Disability and Development Consortium (IDDC) koordinieren die Kampagne.