Mosambik: Mehr Aufmerksamkeit für Augenheilkunde

Dr. Abel Polaze aus Mosambik ist Augenarzt und hat mit Unterstützung von Licht für die Welt schon viele Augenoperationen durchführen können. Er hat uns erzählt, warum er sich auf Augengesundheit spezialisiert hat und was ihn antreibt.
Dr. Abel Polaze blickt in ein Perimeter, ein Gerät zur Augenuntersuchung, und begutachtet die Augen eines Buben. Der Junge sitzt ihm gegenüber, seine Augen sind beleuchtet und auch er blickt in das Perimeter. Er trägt ein grau-blau gestreiftes T-Shirt mit weißem Kragen.

„Licht für die Welt ist mehr als ein Partner für mich. Wir sind eine Familie! Mithilfe der Organisation konnte ich schon viele Herausforderungen bewältigen“, sagt Dr. Abel Polaze (51) aus Mosambik, der seit über 15 Jahren eng mit Licht für die Welt zusammenarbeitet. 

Das Vertrauen dieser Partnerschaft erreichte ihren Höhepunkt als Dr. Polaze 2019 die Leitung der neuen Augenklinik in Beira übernahm. Sie wurde durch den Wirbelsturm Idai schwer beschädigt, konnte aber mit Unterstützung der österreichischen INVICTA Privatstiftung wiederaufgebaut werden. Jetzt werden dort pro Jahr 20.000 Augenuntersuchungen und mehr als 1.600 Augenoperationen durchgeführt. „Weil die Klinik so groß ist, können wir jetzt viel mehr Operationen durchführen! Zuvor hatten wir nicht einmal Platz für eine Toilette“, erzählt Dr. Polaze von diesem großen Meilenstein seiner Karriere. 

Die Augenklinik in Beira konnte mit der Unterstützung von Licht für die Welt eröffnet werden. (c) Licht für die Welt
Neueröffnung der Augenklinik in Beira, Mosambik nachdem sie vom Wirbelsturm Idai zerstört wurde.

Eine Kindheit, geprägt von Herausforderungen

Die Fähigkeit, Menschen ihre Sehkraft zurückzugeben, hat sich Dr. Polaze hart erkämpft. Seine Kindheit war vom Kolonialismus und dem Unabhängigkeitskrieg, den Mozambique gegen die Kolonialmacht Portugal führte, geprägt. Lange Zeit war er von seinen Eltern getrennt und verbrachte Teile seiner Kindheit in militärischen Einrichtungen. 

Trotzdem schaffte er es später auf der Universität in Manica zu studieren und gewann als einer der besten Studenten ein Medizinstipendium in Kuba. Vierzehn Jahre verbrachte er im Ausland, bevor er nach Mosambik zurückkehrte, um als Allgemeinarzt in abgelegenen Krankeneinrichtungen zu arbeiten.

Mehr Aufmerksamkeit für Augenheilkunde

Es dauerte nicht lange, bis Dr. Polaze klar wurde, dass es in vielen medizinischen Bereichen zu wenig Expertise im Land gab und deswegen auch keine Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Dazu zählt nach wie vor die Augenheilkunde, was der Anlass für ihn war, sich darauf zu spezialisieren. 

Seine Hilfe wurde dringend benötigt, denn nach seinem Abschluss war er einer von neun Augenärzten in Mosambik. Rasch wurde er zum Sprachrohr für Augengesundheit: „Zu Beginn war mir nicht klar, wie komplex dieser Bereich ist. Doch jetzt nach 15 Jahren empfinde ich das Sehvermögen als eines der wichtigsten Geschenke, die wir Menschen haben. Es hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Gemeinschaften, wenn wir ihm nicht mehr Aufmerksamkeit schenken." 

Dr. Abel Polaze bei einer Augenoperation in Beira. (c) Licht für die WeltDr. Abel Polaze bei einer Operation in der Augenklinik in Beira. (c) Licht für die Welt

Eine Operation kann Hoffnung aufleben lassen

„Für mich ist es wichtig, einen Unterschied im Leben eines Menschen zu machen. Es gibt so viele, die ihr Augenlicht schon seit Jahren verloren haben. Doch eine einfache Operation kann Leben verändern und oft lang verlorene Hoffnung zurückgeben!“, weiß Dr. Polaze aus Erfahrung.

Einer dieser Menschen ist Antonio Ernesto. Seit über zehn Jahren lebte er mit seiner Blindheit, ausgelöst durch den Grauen Star.  „Für mich war die Operation an Antonio sehr emotional. Ich wollte unbedingt, dass sie erfolgreich ist, damit er sein drei Monate altes Kind zum ersten Mal sehen kann“, erinnert sich Dr. Polaze.

Antonio Ernesto sieht zum ersten Mal sein drei Monate altes Kind. © Licht für die WeltAntonio Ernesto sieht zum ersten Mal sein drei Monate altes Kind © Licht für die Welt

Als Antonio nach der Operation die Augen aufschlug, war er ganz ruhig. „Normalerweise weinen die Patienten, wenn sie ihre Lieben nach langer Zeit oder zum ersten Mal sehen können. Bei ihm war es anders. Er hat in diesem Moment erkannt, dass ein Traum wahr geworden ist.“

Erste Schritte für zugängliche Augengesundheit in Mosambik sind gesetzt

Mittlerweile sieht Dr. Polaze einige Veränderungen in Mosambik. Heute gibt es zumindest eine AugenärztIn in jeder Provinz und das Personal in abgelegenen Krankenhäusern ist für grundlegende augenmedizinische Untersuchungen geschult. Obwohl vielerorts noch adäquate Ausstattung fehlt, ist das Bewusstsein für Augengesundheit in den letzten Jahren gestiegen. 

„Die Blindheit hat starke Auswirkungen auf die Menschen im Land und ihre Gemeinschaften. Unsere Arbeit macht einen großen Unterschied für Betroffene und ihre Familien und der ist unbezahlbar!“, resümiert der Augenarzt.