09.02.2016

Fotoalbum: Inklusive Bildung

Weltweit leben 150 Millionen Kinder mit Behinderungen, 120 Millionen von ihnen leben in Entwicklungsländern. Der Großteil kann derzeit nicht zur Schule gehen. Nur jedes zehnte Kind in einem Entwicklungsland hat eine Chance auf Schulbildung. Als Erwachsene bleibt ihnen oft nur ein Leben in bitterer Armut. Behinderten Kindern wird in vielen Teilen der Welt der Zugang zu Bildung und damit zu einer besseren Zukunft verwehrt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Vorurteile, bauliche Barrieren, kein geeignetes Schulmaterial, überforderte Lehrer, Angst vor Diskriminierung etc. Alle diese Barrieren sind überwindbar. Und wenn behinderte Kinder Schulbildung erhalten, hilft das nicht nur ihrer persönlichen Situation, sondern der Entwicklung eines ganzen Landes. Eine nicht optimale Lösung zur Einschulung von Kindern mit Behinderungen ist es, Spezialschulen aufzubauen in denen Kinder mit Behinderungen von Sonderpädagogen betreut werden. Der Nachteil: Die Kinder werden aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen, lernen getrennt von Gleichaltrigen und leben isoliert. LICHT FÜR DIE WELT setzt sich daher, wo immer möglich, für inklusive Bildung ein. D.h. dass Kinder mit Behinderungen als selbstverständlicher Teil ihrer Gesellschaft aufwachsen und mit den Kindern ihrer Community in dieselbe Schule gehen. Ein Kind mit einer Gehbehinderung braucht keine Spezialschule, sondern ein barrierefreies Schulgebäude. Ein gehörloses Kind, das neben Gebärdensprache Lesen und Schreiben gelernt hat, kann sich mit seiner Umgebung verständigen und lebt nicht länger in Isolation. Für alle Kinder ist Bildung der Schlüssel zu einem selbständigen und unabhängigen Leben, Kinder mit Behinderungen dürfen davon nicht ausgeschlossen sein.

LICHT FÜR DIE WELT fördert aktuell mehr als 20 inklusive Bildungsprojekte, arbeitet eng mit Eltern, Lehrern, Schulbehörden und Bildungsministerien zusammen, organisiert Fortbildung und geeignetes Schulmaterial und unterstützt Behindertenorganisationen, die vor Ort den Schulen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wo inklusive Bildung noch nicht möglich ist, fördert die österreichische Hilfsorganisation derzeit auch Spezialschulen, um behinderten Kindern eine Zukunft zu ermöglichen.

Beispiel: Inklusive Bildung in Garango, Burkina Faso

Obwohl in Burkina Faso 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert wurde und es seit 2010 per Gesetz einen inklusiven Bildungsansatz gibt, sieht die Realität im Land leider anders aus. 90 Prozent aller Kinder mit Behinderung gehen nicht zur Schule. Allerdings möchte die Regierung das ändern und die Konvention Realität werden lassen. LICHT FÜR DIE WELT gestaltet diesen Veränderungsprozess aktiv mit, damit Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam lernen können. Eine nationale Strategie für inklusive Bildung entwickelte die Hilfsorganisation mit und implementiert diese nun in Modellregionen, wie Garango. In Zusammenarbeit mit dem nationalen Bildungsministerium unterstützt LICHT FÜR DIE WELT ein Schwerpunktprogramm für inklusive Schulbildung: Beispielsweise werden Lehrer in der Region hinsichtlich inklusiver Unterrichtsmöglichkeiten weitergebildet und Schulen mit Rampen und barrierefreien WCs ausgestattet. Außerdem werden Kinder mit Behinderung auf den Schulbesuch vorbereitet und Lehrpläne mit geeignetem Unterrichtsmaterial werden mitentwickelt und aufbereitet. Mittlerweile werden in 64 Schulen der Region Garango Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet. Ein großer Erfolg ist, dass nun schon 60 Prozent aller Kinder mit Behinderung in der Region die Schule besuchen. Zu Beginn des Projekts waren es nur fünf bis sechs Prozent. Bald soll dieses Modellprojekt auf andere Provinzen ausgedehnt werden.