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09.02.2016

Fotoalbum: Augengesundheit

Weltweit leben 39 Millionen blinde und über 246 Millionen fehlsichtige Menschen. Über 90 Prozent leben in Entwicklungsländern. Blindheit steht in Armutsgebieten in enger Verbindung zu Armut: So kann beispielsweise eine blinde Mutter im ländlichen Äthiopien nicht mehr für ihre Kinder und sich selbst sorgen. Oft bedeutet die Erblindung eines Familienmitglieds auch, dass mindestens ein Kind zu Hause bleibt, um die Person zu betreuen. Folglich wird dieses Kind nicht zur Schule gehen und ist als Erwachsener eher von Armut betroffen, als ein Kind, das Zugang zu Bildung hat. Augenlicht bedeutet daher gerade in Entwicklungsländern auch Leben.

Prinzipiell wären über 80% aller Blindheitsfälle heilbar, vermeidbar oder behandelbar, jedoch haben die meisten Menschen in Armutsgebieten keinen Zugang zu grundlegender augenmedizinischer Versorgung. So können auch einfache bakterielle Infektionen zu Blindheit führen oder so kann unbehandelte Fehlsichtigkeit bei Kindern dazu führen, dass diese weder Lesen noch Schreiben lernen können. Denn noch immer haben über 240 Millionen fehlsichtige Menschen keinen Zugang zu passenden Brillen oder Sehbehelfen.

Keine Augenärzte, keine augenmedizinische Versorgung

Besonders in ländlichen Gebieten vieler Entwicklungsländer herrscht ein eklatanter Augenärztemangel und augenmedizinischen Fachkräften. So kommt beispielsweise in manchen Regionen Burkina Fasos nur ein Augenarzt auf knapp drei Millionen Menschen. Im Vergleich dazu: In Österreich kommt ein Augenarzt auf rund 10.000 Patienten. Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung in Burkina Faso und anderen Entwicklungsländern hat also selten Zugang zu augenmedizinischer Versorgung. LICHT FÜR DIE WELT unterstützt daher blinde, sehbehinderte und von Blindheit bedrohte Menschen auf unterschiedlichen Ebenen. Einerseits werden Augenuntersuchungen und Grauer Star Operationen sowie die Verteilung von Antibiotika gegen Infektionen ermöglicht, aber darüber hinaus stärkt LICHT FÜR DIE WELT gezielt die augenmedizinische Infrastruktur im Land – baut Augenkliniken, ermöglicht Augenarztausbildungen, arbeitet mit lokalen und nationalen Behörden an Strategien im Bereich Augenmedizin und schafft Bewusstsein für Augengesundheit. Dazu zählt z.B. die Aufklärung der ländlichen Bevölkerung über die Infektion mit der Augenkrankheit Trachom (Ägyptische Körnerkrankheit), welche die häufigste bakterielle Blindheitsursache weltweit ist. Gesundheitshelfer klären die Menschen u.a. darüber auf, wie wichtig die regelmäßige Hand und Gesichtswäsche ist, um sich nicht immer wieder zu infizieren.

Häufigste Blindheitsursachen

Grauer Star ist weltweit noch immer die häufigste Blindheitsursache und für den Verlust des Augenlichts von 20 Millionen Menschen verantwortlich. Die Trübung der Augenlinse tritt meist als Folge des Alterungsprozesses auf oder entwickelt sich aus unbehandelten Augenentzündungen oder Verletzungen. Angeborener Grauer Star kann z.B. die Folge einer Röteln-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft sein. Doch die gute Nachricht ist: Grauer Star ist heilbar. In einer etwa 15-minütigen Operation wird die getrübte Linse entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt. Operationen am Grauen Star gehören laut WHO zu den kosteneffizientesten
medizinischen Eingriffen weltweit und kosten in einem Entwicklungsland durchschnittlich nur etwa
30 Euro.

Trachom ist weltweit die verbreitetste ansteckende Ursache von Blindheit. Über 21 Millionen Menschen, v.a. Frauen und Kinder, sind von Trachom betroffen. Die Krankheitserreger werden durch schmutzige Hände, Tücher und Fliegen übertragen. Wiederholte Ansteckungen führen dazu, dass die Innenseite des Augenlids vernarbt und sich nach innen dreht. Die verdrehten Wimpern kratzen bei jedem Blinzeln an der Hornhaut und zerstören sie langsam und führen zu irreversibler Blindheit. LICHT FÜR DIE WELT ist daher Teil einer weltweiten Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Krankheit Trachom bis 2020 zu eliminieren. LICHT FÜR DIE WELT ist in den äthiopischen Regionen Tigray und Somali für die Erfassung von Trachom-Fällen verantwortlich und setzt die von der WHO empfohlene S.A.F.E.-Strategie zur Bekämpfung von Trachom um. Die Strategie erstreckt sich von der Vorsorge bis zur Heilung. SAFE steht für Surgery (Lid-Operation), Antibiotics (Gabe von Antibiotika), Facial cleanliness  (Sauberkeit des Gesichtes) und Environmental hygiene (Umwelt-Hygiene) und hat großen Einfluss auf die Eindämmung der Krankheit.

Kinderblindheit

Alle 60 Sekunden erblindet weltweit ein Kind, rund 500.000 Kinder pro Jahr. Viele von ihnen sterben allerdings noch während der Kindheit auch wegen der Erblindung. Dabei wäre die Hälfte aller Blindheitsfälle bei Kindern präventiv vermeidbar. Weitere 12 Millionen Kinder weltweit leiden an starker Fehlsichtigkeit, die allerdings mit einfachen Mitteln korrigiert werden könnte. Die Kinder bräuchten einzig Zugang zu einer Diagnose durch augenmedizinisches Fachpersonal und zu einem Sehbehelf, z.B. einer passenden Brille.