FC St. Pauli Blindenfußball trainiert Fußballtrainer im Südsudan

Fußballlegende Manuel Ortlechner unterstützt Inklusionsprojekt von LICHT FÜR DIE WELT
Videocoaching mit FC St. Pauli-Trainer (c) Michael Hain

 

Die Sportart Blindenfußball funktioniert virtuell auch über tausende Kilometer hinweg: Der Trainer der FC St. Pauli Blindenfußballmannschaft, Wolf Schmidt, konnte wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in die Flüchtlingslager in den Südsudan reisen. In einer Kooperation mit LICHT FÜR DIE WELT unterrichtet er nun per Video-Call von Hamburg aus. Sein Gegenüber, Fußballtrainer Simon Madol Ako, sitzt währenddessen in der südsudanesischen Hauptstadt Juba und wird so zum Blindenfußballtrainer ausgebildet. 

Sport ist für LICHT FÜR DIE WELT seit Jahren eine bewährte Methode, um Menschen mit Behinderungen im Südsudan zu unterstützen. In dem von Kriegen, Krisen und Flüchtlingsströmen gebeutelten Land fördert das Projekt ein friedliches Zusammenleben ganz besonders.

Auch Fußballlegende und Sportmoderator Manuel Ortlechner freut sich über das Projekt. „Wenn die Coronakrise vorbei ist und wir wieder reisen können, freue ich mich auf ein gemeinsames Blindenfußballtraining mit dem neuen Blindenfußballtrainer und den Mannschaften im Südsudan“, sagte Ortlechner, ehemals Kapitän beim FK Austria. Ortlechner unterstützt LICHT FÜR DIE WELT seit Jahren ehrenamtlich bei mehreren inklusiven Sportprojekten.

Blindenfußball trotz Corona

Der Trainer der FC St. Pauli Blindenfußballmannschaft weist auf ein gerade wichtiges Thema hin. Nämlich wie man gleichzeitig trainieren und sich vor der Gefahr einer Ansteckung mit COVID-19 schützen kann. „Es hat sogar Vorteile“, betont Wolf Schmidt. „Ich habe mehr Zeit, um genau herauszufinden, wie die Bedingungen dort vor Ort sind“, sagt er über das Videocoaching. Neben der Fähigkeit, genau zuzuhören bringt Schmidt auch sein professionelles Engagement und vor allem seine Faszination für die Sportart mit: „Diese Sportart ist wirklich in jedem Sinne grenzerweiternd und trägt zum Verständnisaufbau bei.“ Im letzten Coaching besprachen sie gemeinsam Möglichkeiten, Methoden und Spielregeln und haben Ausrüstungslisten zusammengestellt. Beim Blindenfußball spielen zwei Mannschaften aus jeweils vier blinden Spielern mit einem hörbaren Klingelball. Die beiden Torhüter sind nicht blind. Die Kommandos kommen von allen Seiten und spornen die Spieler an. Es kommt dabei stark auf Ballgefühl, Technik, Taktik und vor allem auf die Kommunikation der Spieler an.

Gegenseitiges Verständnis und Aufklärung über Corona 

Der Trainer Simon Madol Ako ist 23 Jahre alt und selbst ein Flüchtling in seinem eigenen Land. Seit mittlerweile fünf Jahren lebt er im Flüchtlingscamp Mahad in der Hauptstadt Juba. In dem Lager alleine leben 7.500 Menschen aus fünf verschiedenen ethnischen Gruppen, was immer wieder zu Konflikten geführt hat.

Als begeisterter Fußballspieler hat er sich von Anfang an in dem Projekt „Sport für Frieden“, das von LICHT FÜR DIE WELT ins Leben gerufen wurde, engagiert. „Die Menschen in dem Lager leben nicht freiwillig zusammen. Das begünstigt Feindseligkeit und Gewalt. Ich mochte die Idee der Einheit unter den ethnischen Gruppen von Anfang an und habe jetzt auch viele Freunde unter ihnen“, berichtet Simon. Mittlerweile kümmert er sich in dem Camp auch um Kinder mit Behinderungen und leistet viel Aufklärungsarbeit zum Thema COVID-19-Prävention.

Fußballtraining im Homeoffice

Der Schritt hin zum Trainer für die Blindenfußballmannschaften geschieht für Simon mit Unterstützung des erfahrenen Hamburger Coachs und der Vereinigung für Sehbehinderte im Südsudan. „Wir sind begeistert, dass Wolf Schmidt auf unseren Vorschlag eingestiegen ist“, sagt Programmkoordinator Malte Fähnders von LICHT FÜR DIE WELT. Fähnders schaltet sich aus seinem derzeitigen Hamburger Homeoffice zu den Coaching-Sessions dazu. Zusammen mit Sophia Mohammed, der Landesdirektorin von LICHT FÜR DIE WELT Südsudan, soll das Projekt in den kommenden Jahren schrittweise auch auf andere Lager ausgedehnt werden. „Wir lassen uns auch in Zeiten von Corona nicht von unseren Projekten abbringen und bereiten uns deshalb bereits für die Zeit danach vor“, so Mohammed.

(c) Michael Hain

Blindenfußball für den Südsudan

Nach jahrelangem Bürgerkrieg sind im Südsudan rund vier Millionen Menschen, etwa ein Drittel der Bevölkerung, auf der Flucht. Besonders Menschen mit Behinderungen brauchen dringend Unterstützung. Wir schätzen die Zahl der Menschen mit Behinderungen im Südsudan allein in den Lagern auf etwa 250.000. 

Seit 2005 unterstützen wir Menschen mit Behinderungen im Südsudan. Das Ziel ist eine aktive und gleichberechtigte Teilnahme an der Gesellschaft und den Zugang zu Gesundheit und Bildung.  Augenuntersuchungen in entlegenen Gebieten werden ermöglicht und Blinde am Grauen Star operiert. Die Rehabilitation und Inklusion von Menschen mit Behinderungen findet im Südsudan sonst kaum statt. 

LICHT FÜR DIE WELT hat die Erfahrung gemacht, dass Sport eine erfolgreiche Methode zur Förderung und Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist. Neben bereits existierenden Fußball-, Volleyball- und Rollstuhlbasketball-Gruppen beginnt LICHT FÜR DIE WELT jetzt mit dem Blindenfußball-Projekt. Das neue Projekt wird auch von den nationalen Behindertenorganisationen und Ministerien im Südsudan unterstützt. Mehrere hundert blinde Menschen sollen davon profitieren.