„Einfach offen aufeinander zugehen“

Unsere gehörlose Praktikantin Alicia erzählt von ihrer Zeit bei Licht für die Welt
Foto: Portrait von Alicia Eliskases. Credit: Licht für die Welt

Alicia Eliskases ist 28, Grafikerin, Gebärdensprachlehrerin und gehörlos. Im letzten Monat hat sie ein Praktikum bei Licht für die Welt gemacht und uns in der Kommunikationsabteilung mit ihrem graphischen Können unterstützt. A propos Kommunikation: Die hat im Arbeitsalltag super geklappt. Über ihre Zeit bei Licht für die Welt und worauf es im Umgang mit gehörlosen Menschen ankommt, hat uns Alicia erzählt. 

Liebe Alicia, du hast jetzt ein Monat Praktikum bei Licht für die Welt gemacht. Wie bist du auf Licht für die Welt gestoßen?

Ich war auf der Suche nach einer Arbeit im Sozialbereich. Meine Freundin hat mir dann von Licht für die Welt erzählt und empfohlen, es dort zu probieren. Sie hat früher bei Licht für die Welt gearbeitet.

Du bist auch Gebärdensprachlehrerin. Was ist das Schöne an diesem Beruf?

Ich finde schön, dass ich ohne Hörgeräte als Hilfsmittel, nur mit den Hände unterrichte. Dabei kann ich Menschen beibringen und zeigen, wie schön die Gebärdensprache – das ist ja unsere Muttersprache –  ist. Viele Menschen sind sehr neugierig und motiviert mit der Gehörlosen-Gemeinschaft zu kommunizieren und Verständnis dafür aufzubauen. So kann ich mein alltägliches Leben mit der Gebärdensprache in unserer Gemeinschaft und täglichen Umgangskultur vorstellen. Und so baue ich Brücken zwischen den beiden Welten. Danach wissen mehr Menschen über unsere wertvolle Gebärdensprache Bescheid.

Kannst du deinen ersten Tag bei Licht für die Welt beschreiben?

Es war spannend zu sehen, wie die KollegInnen mit Projekten in anderen Ländern arbeiten, was mich sehr interessiert. Es war ein gutes Gefühl, so ohne Hemmungen hier zu arbeiten. Alle begrüßten mich freundlich und wussten, wer ich bin. Das Tolle ist, dass ich mich nicht zu sehr bemühen musste, um mich vorzustellen und auch nicht extra erklären musste, dass ich gehörlos bin, weil alle schon per E-Mail informiert waren. Das war sehr angenehm und es gab eine super Atmosphäre.

Gab es etwas während deiner Zeit bei Licht für die Welt, das dich überrascht hat?

Es gib viele nette ArbeitskollegInnen und viele wissen, wie man mit Gehörlosen umgeht bzw. versuchen auch viele, mit Händen zu kommunizieren. Viele sind kontaktfreundlich und mutig, auf mich zuzugehen und mit mir zu sprechen. Da fühle ich mich wohl, und weiß, dass ich dazu gehöre. Ich bekam auch von internationalen MitarbeiterInnen E-Mails, um mich willkommen zu heißen, zum Beispiel aus London oder Äthiopien. Insgesamt gab es viel selbständige Arbeit. Alles war sehr professionell!

Ich war außerdem erstaunt, dass die Arbeit in Afrika, Asien und Südamerika in so vielen verschiedenen Bereichen stattfindet  – etwa in den Bereichen inklusive Bildung, Augenoperationen, Rehabilitation und Menschenrechte. Und dass alle so gut und vernetzt miteinander arbeiten, hat mir gefallen. Genauso, dass es weltweit so viele UnterstützerInnen gibt. Das finde ich echt toll!

Was würdest du dir von Arbeitgebern/KollegInnen generell im Umgang mit gehörlosen Menschen wünschen? Was würdest du ihnen empfehlen?

Ich würde mir wünschen, dass die Leute weniger Angst haben, ob ich sie verstehe oder nicht. Es genügt schon, wenn die Leute mutig auf mich zugehen und wir gemeinsam kommunizieren. Irgendwie gelingt das immer. Selbst mit KollegInnen, die aus dem Ausland kommen, hat das gut geklappt.

Zum Schluss möchte ich noch gerne sagen: 

Mir ist es wichtig, dass es viele Möglichkeiten in der internationalen und nationalen Zusammenarbeit mit Gehörlosen gibt. Allen Gehörlosen soll eine Chance gegeben werden!

Toll wäre auch eine Zusammenarbeit von Licht für die Welt mit Gehörlosen-Vereinen in Österreich. Es gibt einige, die zum Beispiel einen Kontakt zu Schulen in den Projektländern von Licht für die Welt suchen und diese auch gerne besuchen würden. Mithilfe internationaler Gebärden würde die Kommunikation in diesen Projektländern auch ohne DolmetscherIn gut funktionieren.