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Ein neues Leben für Ademe

Eines Tages wurde das Leben von Ademe Woldemariam aus Äthiopien auf den Kopf gestellt...
Ademe umgeben von seiner Familie

Die beiden waren gerade mit ihrem spärlichen Frühstück fertig, als Ademe den grauen Schleier das erste Mal wahrnahm. Er rieb sich die Augen - vergeblich. Monat um Monat wurde seine Sicht schlechter. Niemand wusste Rat. Schließlich konnte Ademe nicht auf dem Feld arbeiten, er sah weder den Mais noch anderen Pflanzen um sich. Für den Bauern brach eine Welt zusammen. Wer sollte sich um das Feld, die Kühe und Ochsen kümmern?

„Papa!“, ruft Sohn Ashenaf eines Tages aufgeregt „Es kommen Ärzte nach Bonga, das ist nicht weit von uns. Sie sagen, sie untersuchen Augen!“ Die Tür zum engen Untersuchungsraum ist offen, vor drängen sich Menschen. Ademe hat es dank seines Sohnes bereits in das stickige Zimmer geschafft. Geduldig wartet er auf die Ärztin, die nach einem geschulten Blick weiß: Ademe hat Grauen Star. Kurz darauf wird er operiert.

Am nächsten Morgen fndet die Nachkontrolle vor dem Eingang des kleinen Spitals statt. Alle Patienten warten gespannt. Auch Ademe. Mit einem schnellen Ruck nimmt ihm Ärztin Dagmarwit den Verband ab. Ademes erster Blick richtet

sich auf ihre freundlichen Augen. Tief seufzt er, als er die vielen Gesichter um sich sieht. Gespannt sehen sie ihn an. „Und?“, fragt die Frau neben Ademe. „Es hat funktioniert,“ jubelt er. „Ich kann sehen!“ In seinem Heimatdorf Shishinda sammelt sich schnell eine Menschentraube um den 65-jährigen Bauern. Alle wollen von seinem abenteuerlichen Ausflug hören. Doch erst nachdem er sich vergewissert hat, wie es seinem Feld und den Ochsen geht, erzählt er von seinem wundervollen Erlebnis.Und freut sich auf sein neues Leben.